Der Jako-o Familienkongress 2016

Eigentlich hatte ich nicht vor, eine Blogpause einzulegen, aber dann kam eins zum Anderen und die Zeit fehlte einfach. Jetzt fand am 18. und 19.11.2016 der Jako-o Familienkongress statt und das möchte ich zum Anlass nutzen, wieder mehr zu schreiben. Es fehlt mir ja doch.

Wozu eigentlich zum Jako-o Familienkongress?

Ehrlich gesagt hatte ich im Katalog oft stumpf an den Seiten über den Familienkongress vorbei geblättert. Da komm ich ja eh nicht zu, dachte ich mir. Nun denn, irgendwann habe ich es doch mal näher angeschaut und dachte: geht nicht, gibt es nicht! Ich meine, wenn Dr. Herbert Renz-Polster schon mal einen Vortrag in der Nähe hält, dann will ich den nicht verpassen. Außerdem waren noch Willi Weitzel, Dr. Jan-Uwe Rogge und weitere anwesend. Ich verlinke unten zum weiter schmökern.

Auf dem Plan standen Vorträge zu den Themen Erziehung, Schule, Partnerschaft und Gesundheit. Mich haben dazu die Vorträge zu Hochsensibilität und Schule neu denken sehr angesprochen.

Der nächste Punkt war für mich, dass ich endlich mal wieder ohne Kinder weg wollte: Me-Time, wie man heute so schön sagt. Der innere Schweinehund jaulte dann immer mal auf: Menschenmassen, muss das wirklich sein?! Ich fühle mich in Menschenmassen grundsätzlich unwohl und eingeengt. Dazu die ganzen Reize, die spärlich gefiltert auf mich einwirken. Als Hochsensible finde ich das anstrengend und unangenehm und so war diese Banalität für mich doch eine Herausforderung.

Meine Eindrücke vom Familienkongress

Der 18.11. rückte immer näher und erwartete ungeduldig meine Kongress-Unterlagen. Per Post kam die Eintrittskarte und eine kleine, übersichtliche Broschüre über den Ablauf der zwei Tage. Die Mitte der Broschüre war praktischerweise mit einem Kartenausschnitt von Bad Rodach bedruckt, wo alle Vortragsorte und Parkplätze eingetragen waren. Auf der vorherigen und nächsten Seite war je ein Stundenplan des 18. und 19.11. abgedruckt, sodass man die Mitte heraustrennen konnte und alles wichtige dabei hatte.

Jako-o Familienkongress 2016

Jako-o Familienkongress 2016

In Bad Rodach waren vor den betreffenden Gebäuden  große, bunte Jako-o Fahnen aufgestellt und an den Parkplätzen standen helfende Personen auffällig mit Warnwesten. Verfehlen konnte man es also nicht. Vor der Bayernhalle standen knallgelbe Pavillons, wo die Kongress-Mappen und Eintrittsbändchen verteilt wurden.

Die Halle war aufgeteilt in den Sitzbereich vor einer Bühne und einen Bereich für die Pausen. Dort standen einige Stehtische und ein paar Tische mit Bänken. Außerdem war hier der Verkaufsbereich. Bücher! Ich darf an sowas ja nicht nah genug heran, sonst kaufe ich uns arm. Mir sprang zuerst der Titel „Gesund gevögelt“ in die Augen und ließ mich schmunzeln.

Die Begrüßungsrede hielt Bettina Peetz, die Geschäftsleiterin von Jako-o, und danach kam Dr. Jan-Uwe Rogge an die Reihe. Dieser hatte dieses Jahr Jubiläum, denn er sprach zum 10. Mal auf dem Jako-o Familienkongress. Der Titel war „Warum Raben die besseren Eltern sind – vom Halt-Geben und Loslassen“. Dr. Rogge hat das Publikum von Anfang bis Ende beinahe pausenlos zum Lachen gebracht und den Kongress wirklich schön eröffnet.

Zwischen den Vorträgen gab es Kaffeepausen in fast allen Vortrags-Gebäuden. Es gab große Körbe voll mit verschiedenem Obst, Reiswaffeln, Kekse und Kuchen. Auch an Getränken gab es eine Auswahl an Wasser, Tees, Kaffee und ich glaube, es war Schorle. So weit ich gesehen habe, war es alles bio-Qualität, aber dafür möchte ich meine Hand nicht ins Feuer legen. Toiletten dagegen gab es fast zu wenig. Es waren 600 Besucher, davon immerhin 100 Männer und so standen zumindest vor den Damentoiletten grundsätzlich lange Schlangen.

Hochsensibilität

Der Vortrag von Manuela Starkmann war mit dem Titel „Hyperaktiv oder hochsensibel – anders und doch normal? Was Eltern darüber wissen sollten“ angekündigt. Schön fand ich, dass es eher interaktiv gehalten war und an vielen Stellen sah ich einige Anwesende nicken oder zustimmende „Hmms“ von sich geben.

Als selbst Hochsensible fand ich es unfassbar erleichternd, dass sich so viele mit ähnlichen Erfahrungen äußerten. Mein schönster Moment war dann, als eine andere Mutter erzählte, dass sie und ihre Tochter so empfindlich auf Geräusche reagieren, dass sie sogar Strom hören und die Sicherung im Schlafzimmer abstellen müssen, weil es sonst stört. Das klingt so unglaublich, oder? Wenn ich es nicht selbst kennen würde, würde ich vermutlich den Kopf darüber schütteln. Ich muss aber tatsächlich alle Steckerleisten ausschalten, wenn ich schlafen gehe, weil diese ein für mich sehr ekliges Geräusch machen, wenn sie eingeschaltet sind. So ähnlich wie Radiorauschen in ganz leise, aber sehr aufdringlich.

Dieses nicht allein sein damit, andere um sich zu haben und ihre Erfahrungen damit zu hören, empfand ich als sehr bereichernd. Frau Starkmann war zudem sehr sympathisch und strahlt eine unglaublich positive, warme Energie aus. Ich weiß gar nicht mehr, an welcher Stelle, da wurden mir vor Rührung die Augen kurz feucht und ich habe ein paar gesehen, denen es ähnlich ging. Da sie auch Spiritualität ansprach rumorte es hinter mir kurz „jetzt wird es aber esoterisch!“, aber da mein Glaube dies beinhaltet kann zumindest ich mich darüber nicht beklagen. Da Hyperaktivität im Titel mit angekündigt war, hatte ich mir den Vortrag etwas anders vorgestellt. Im Endeffekt war er – für mich – auch ohne groß Hyperaktivität einzugehen, gut.

Schule neu denken

Für mich ging es danach weiter mit „Burnout bei Kindern: Warum wir Schule neu denken müssen“ von Magret Rasfeld. Sie ist Leiterin der Evangelischen Schule Berlin Zentrum und steht mit der Innitiative Schule im Aufbruch für eine neue Bildungskultur.

Frau Rasfeld hat das Konzept ihrer Schule vorgestellt und hatte zwei ihrer Schüler dabei, die aus ihrem Schulalltag berichtet haben. Es ging um den Leistungsdruck und die ungünstige Aufteilung von Lerninhalten in der herkömmlichen Schule. An der ESBZ gibt es Lernbüros, in denen Schüler Themenblöcke bearbeiten und einen Test für diese anmelden, wenn sie sich bereit dazu fühlen. An dieser Schule haben Lehrer*innen drei Klassen, die sie unterrichten und betreuen die Klassen im Unterricht zu zweit.

Großer Wert wird auf Gemeinschaft und das selbstständige Lernen gelegt. Im Stundenplan sind extra Zeiten freigehalten, in denen Sprechstunden zu Fortschritten und Problemen stattfinden oder die Schülerschaft sich in der Aula trifft, um gemeinsam zu singen und sich gegenseitig zu stärken und zu motivieren.

Eigentlich war die Zeit für diese Fülle viel zu kurz und hätte gerne mehr sein können. Du hast vermutlich schon mitbekommen, dass ich dem Regelschulsystem eher skeptisch gegenüber stehe. Für mich war dieser Beitrag also eine Bereicherung, mein Eindruck war aber, dass manch andere Anwesende eben dieses Neue eher ablehnend gegenüber standen und es für zu frei und locker hielten.

19.11. Gesundheit, die ansteckt!

Das war der Titel von Susanne Wendels Vortrag. Frau Wendel machte auf mich einen sehr lebhaften und Energie geladenen Eindruck. Der Vortrag war mit ansprechenden Bildern untermalt und das Publikum wurde mehrfach gebeten, aufzustehen und Bewegungsübungen nachzumachen. Dies diente der Veranschaulichung von der Bedeutung der richtigen Körperhaltung und obwohl ich eher kein Fan von solchen Übungen bin, fand sogar ich diese unterhaltsam.

Es ging um gesunde Ernährung, Bewegung und darum, dass auch der Geist seinen Teil zur Gesundheit beisteuert. Das Buch mit dem Titel „gesund gevögelt“ ist im Übrigen von ihr. Ich muss zugeben, dass ich mir den Vortrag vorher eher angweilig vorgestellt habe, aber es hat sich wirklich gelohnt und hat gute Laune gemacht.

Warum Kinder manchmal so seltsam sind – Erkenntnisse aus der Evolution

Du wirst es erraten haben, es geht um Dr. Renz-Polster. Für mich war dies ja die Hauptmotivation, den Familienkongress zu besuchen und so war ich ehrlich gesagt erstaunt, dass verhältnismäßig wenig Publikum dort war. Allerdings wurde dieser Vortrag zwei Mal angeboten, wie es bei der Wiederholung aussah weiß ich somit nicht.

Ich habe einige seiner Bücher gelesen und verfolge auch seinen Blog relativ regelmäßig und so gab es im Vortrag nichts Neues für mich zu hören. Das hatte ich im Vorfeld schon vermutet und fand es daher auch nicht schlimm. Ich empfinde es nämlich immer wieder als bestärkend, seine Erklärungen über unsere Evolutionsgeschichte und die Hintergründe menschlichen Verhaltens vor allem im Säuglings- und Kindesalter zu hören oder zu lesen. Im Übrigen ist er im „real life“ genauso sympathisch wie in den Büchern.

Referenten auf dem Familienkongress

Bildrecht: meinrabennest.de

Seine Vorträge und Bücher kann ich werdenden und unsicheren Eltern nur wärmstens ans Herz legen!

Motiviert und selbstständig lernen: eine Anleitung für Eltern

Dieser Vortrag von Dirk Konnertz richtete sich eigentlich an Eltern von Kindern zwischen 5 und 15 Jahren und nachdem er per Handzeichen fragte, wie alt die Kinder des Publikums sind, vermute ich, dass ich die Einzige mit jüngeren Kindern dort war.

Da ich mich mit dem Freilernen beschäftige, dachte ich beim Titel zuerst genau daran und hatte mir so etwas anderes unter dem Titel vorgestellt, als sich tatsächlich dahinter verbarg. Das fand ich etwas schade, Freilernen hätte mich mehr interessiert, aber da waren dann wohl Scheuklappen meinerseits zugange. Dennoch war der Vortrag informativ und hat vielleicht bewirkt, dass manche Eltern weniger Druck bezüglich Noten machen werden.

Ein Vater entdeckt die Welt neu durch die Fragen seiner Kinder

Willi Weitzel von Willi will’s wissen und auch bekannt durch die dm-Zeitschrift alverde war auch dort und erzählte zuerst, er habe sich die Vorträge gespannt angehört und fände den Kongress selbst ganz toll. Ich kannte ihn von der DVD zum Thema Geburt und empfand ihn dort auf der Bühne nochmal sympathischer. Mich hat er an die typische Adam Sandler-Rolle erinnert und war sehr angenehm anzuhören.

Er hatte einen Bildervortrag dabei und erzählte davon, wie seine Tochter ihn beim Vorlesen einer Geschichte über Maria und Josef fragte, wie weit es von Nazareth nach Betlehem sei. Das habe ihn nicht los gelassen, also hat er recherchiert, eine Eselschule besucht und ist dann diesen Weg selbst mit Esel gegangen. Es waren ansprechende Bilder und eine unteraltsame Erzählweise, insgesamt sehr stimmig.

Danach gab es nur noch die Verabschiedung durch Bettina Peetz und ich machte mich durch das verregnete Bad Rodach auf zum Treffpunkt, wo mich mein Mann wieder abholte.

Mein Fazit: Umsetzung & Empfehlung?

Der Jako-o Familienkongress hat 119€ gekostet und beinhaltete 17 Vorträge von 14 Fachreferente, wobei einige parallel liefen und man leider nur jene hören konnte, die man im Vorfeld gebucht hatte. Im Preis enthalten waren außerdem Pausensnacks und Getränke , sowei Abend- und Mittagessen an den beiden Kongresstagen. Was ich nicht mitgenommen habe, war die Eltern-Party am Freitag und die Führungen am Samstagmorgen. Einerseits fand ich es schade, andererseits habe ich die Zeit auch gerne mit meinen Kindern und meinem Mann verbracht. Trotzdessen hat mir die Auszeit wirklich gut getan und allein deswegen hat es sich für mich schon gelohnt.

Die Umsetzung fand ich auch schön. Alles war leicht zu finden, weil auffällige Markierungen aufgestellt und angebracht waren und am Freitag auf den Wegen zu den verschiedenen Gebäuden Mitarbeiter*innen standen, die einem den Weg zeigten. Überhaupt fand ich das Personal durchweg freundlich und hilfsbereit und war auch leicht als solches zu erkennen, wenn man sie mal suchte. Für das leibliche Wohl war gut gesorgt, das Mittagessen soll auch gut gewesen sein, habe ich mir sagen lassen.

Gut finde ich auch, dass zu jedem Vortrag Bewertungszettel ausgeteilt wurden. Hier durften wir anmerken, ob wir den Inhalt und die Vortragsweise gut fanden und wir Verbesserungsvorschläge hatten.

Wenn ich richtig gesehen habe, findet der nächste Familienkongress im November 2017 in Bad Ischl statt. Da ich es lohnenswert fand, würde ich den Besuch des Jako-o Familienkongress weiter empfehlen und werde selbst wieder hingehen, wenn es sich zeitlich einrichten lässt.

Warst Du auch schonmal auf diesem oder einem anderen Familien betreffenden Kongress? Findest du soetwas nützlich oder eher unsinnig?

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über Amy

Amy ist Mutter von zwei Jungs (*2013 & *2015) und schreibt auf dem Blog meinRabennest seit 2016 über pagane Elternschaft und eine freiere, gesellschaftskritische Sicht auf die Erziehung. Im November 2016 wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit und arbeitet von Zuhause aus in der Magieweberei, wo zauberhaften Filzpuppen, Edelsteinschmuck für das seelische Wohl und anderes Hexenwerk ein neues Zuhause suchen.

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