Postpartale Depression: „Nur die Liebe fehlt“ (Buchbesprechung/Werbung*)

Die Depression ist eine hinterhältige Krankheit, die sich zuerst unbemerkt anschleicht, dir die Kraft raubt und dich zweifelnd zurück lässt. Die postpartale Depression ist dazu noch ein richtiges Miststück: Sie überfällt dich ausgerechnet in einer Situation, in der Glücksgefühle und Liebe erwartet werden. Sie verwehrt dir das vor Liebe schier platzen wollende Herz und all die kleinen Glücksmomente mit deinem Baby. Unlogisch, wie sich nach der Geburt des Wunschkindes statt Mutterglück tiefe Traurigkeit und Apathie einstellen. Dazu das Wissen der eigenen Verantwortung gegenüber dem hilflosen Säugling. Das ergibt eine gemeine Mischung, aber es gibt Mittel und Wege, diesem Teufelskreis zu entkommen.

Als selbst von (postpartalen) Depressionen Betroffene habe ich mich über das Angebot „Nur die Liebe fehlt – Von Depression nach der Geburt und Müttern, die ihr Glück erst finden mussten“ von Petra Wiegers zu rezensieren, gefreut. Vielen Dank dafür!

Nur die Liebe fehlt

Betroffene wissen, wie oft Außenstehene mit Unverständnis reagieren. Petra Wiegers möchte mit diesem Buch aufzeigen, wie unterschiedlich sich die postpartale Depression zeigt und dass sie sich nicht auf einzelne Gesellschaftsschichten oder Bildungsstände beschränkt.

„Das Idealbild der sich aufopfernden, überglücklichen, selbstlosen Mutter, die vor Freude schier zerplatzt, wird heute gepaart mit den Ansprüchen der modernen Welt und der Selbstoptimierung. Und an diesem Bild „Übermensch Mutter“ zerbrechen viele Frauen.“

Petra Wiegers – Nur die Liebe fehlt: Von Depression nach der Geburt und Müttern, die ihr Glück erst finden mussten

Buchbesprechung-postpartale-depression

Bildrecht: meinRabennest.de

„Nur die Liebe fehlt“ erzählt in lockerem Stil und einfacher Sprache die Geschichten von vier Frauen mit unterschiedlichen Lebensentwürfen und Hintergründen.

Da ist Mavi, die Vorzeige-Mutter bei der scheinbar alles wie am Schnürchen läuft. Ihre Kinder gehen schon zur Schule, als sie nach acht Jahren Routine-Familienleben ungeplant schwanger wird. Isabel hingegen ist eine Karrierefrau, die ihre Arbeit und Freiheit liebt und braucht. Auch für Charlotte gehört ihre Arbeit einfach dazu und was sie sich vornimmt, das klappt auch. Außer der Kinderwunsch. Beim ersten Kind klappt dann die In-Vitro-Fertilisation (IVF) schnell, doch beim Geschwisterkind gestaltet es sich schwieriger. Belastend kommt hinzu, dass Charlottes Mann an Parkinson leidet. Ganz anders ist Sarah, die auf der Suche nach dem Richtigen von Party zu Party tingelt. Sie hat immer von einem tollen Ehemann und einem glücklichen Familienleben geträumt. Als sie Peter kennen lernt, scheinen all diese Träume wahr zu werden.

Auf der Suche nach dem Glück

Diese Frauen haben eines gemeinsam: Nach der Geburt fehlt ihnen die Liebe zu ihrem Säugling. Ihre Gedanken geraten in Teufelskreise und diese Grübeleien sind der Nährboden vieler Sorgen und Ängste.

Die Krankheit hat nicht nur Auswirkungen auf die Betroffenen selbst, sondern auch auf ihre Beziehungen und Familien. Die jeweiligen Väter übernehmen die liegen gebliebenen Aufgaben und unterstützen die Mütter, wo sie können. Irgendwann aber kommen sie an den Punkt, an dem die eigene Überforderung und die Sorge um ihre Partnerin und das gemeinsame Kind zur Belastungsprobe für die Beziehung wird.

Die Mütter werden von Ängsten, Schuldgefühlen und Wut immer weiter in die Einsamkeit getrieben. Es ist kaum vorstellbar, aber plötzlich erscheint es als Erleichterung, wenn dieses Baby nun sterben würde. Überlegungen, wie es zum Tod kommen könnte, ob sie selbst dazu fähig wären, drängen sich in ihre Gedanken. Auch der eigene Tod erscheint nun als annehmbarer Ausweg.

Mein Eindruck

Petra Wiegers beschreibt auf bewegende Weise wie sich die postpartale Depression in die Leben von Mavi, Isabel, Sarah und Charlotte schleicht und ihre Leben dramatisch verändert. Die Psychiaterin Frau Dr. Simone Simen kommentiert die jeweilige Geschichte analytisch. Sie klärt über Zusammenhänge auf und weist auf mögliche Lösungswege einzelner Situationen in den Geschichten hin.

Als Betroffene empfand ich die Geschichten authentisch und berührend. Einige Passagen könnten allerdings triggern, daher lies es bitte in einem stabilen Zustand. Alles in allem ist dieses Buch Mut machend und zeigt Betroffenen, dass sie nicht alleine mit dieser Problematik sind. Ich hätte es schön gefunden, wenn auch ein weniger schwerwiegender Fall geschildert worden wäre, um Leidensgenossinen mit vermeintlich weniger Leidensdruck zu animieren, sich Hilfe zu suchen.

Geeignet ist es für Betroffene, die Mut machende Erfolgsgeschichten zur Eigenmotivation lesen möchten. Genauso sehr möchte ich es aber Angehörigen und Freunden der Betroffenen ans Herz legen. Petra Wiegers und Dr. Simone Simen legen typische Gedankenmuster Erkrankter offen und erleichtern so das Verständnis der Diagnose postpartale Depression.

Die Autorin: Petra Wiegers

Petra Wiegers ist Journalistin, Autorin, Filmemacherin und Moderatorin. In der ARD und den dritten Programmen wurde ein von ihr gedrehter Film zum Thema postpartale Depression schon ausgestrahlt: „Mein fremdes Kind – Wenn Müttern die Liebe fehlt“.
Außerdem arbeitet sie für Arte und den Bayerischen Rundfunk. Dort zum Beispiel für die Sendung „quer“.

Mehr zum Thema:

  • Eine kurze Lesung des Buches „Nur die Liebe fehlt – Von Depression nach der Geburt und Müttern, die ihr Glück erst finden mussten“ findest Du auf der Web-Präsenz von Petra Wiegers
  • Informationen und Hilfe findest Du beim Licht und Schatten e.V
  • Der Verein teilt auf seiner Facebook-Seite weitere nützliche und interessante Inhalte
  • Auf bildderfrau.de kannst Du lesen, wie Frau Wiegers dazu kam, dieses Buch zu schreiben.

* Meines Wissens nach muss ich diese Rezension als Werbung kennzeichnen, weil mir das Exemplar zu diesem Zweck kostenlos zur Verfügung gestellt wurde. Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst. Vorsichtshalber möchte ich anmerken, dass der Link zum Amazon-Shop kein Affiliate-Link ist.

über Amy

Amy ist Mutter von zwei Jungs (*2013 & *2015) und schreibt auf dem Blog meinRabennest seit 2016 über pagane Elternschaft und eine freiere, gesellschaftskritische Sicht auf die Erziehung. Im November 2016 wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit und arbeitet von Zuhause aus in der Magieweberei, wo zauberhaften Filzpuppen, Edelsteinschmuck für das seelische Wohl und anderes Hexenwerk ein neues Zuhause suchen.

Kommentar verfassen