Traumreisen: Mit Kindern den Tag aufarbeiten

Als wir mal wieder überlegt hatten, wie der Große leichter in den Schlaf finden könnte – er ist sehr quirlig und es fällt ihm schwer, zur Ruhe zu kommen – kamen wir auf die Traumreisen. Der Sohn sagt selbst, wenn er schlafen möchte und bittet mittlerweile selbst darum, eine solche Geschichte erzählt zu bekommen.
Fantasie, Märchen-, oder Traumreisen sind imaginative Verfahren. Sie können als Entspannungsverfahrentherapeutisch wirken und werden von einem Sprecher vorgelesen oder erzählt. Ein tiefer Ruhe- und Erholungszustand wird durch eine entspannte Körperposition (auf dem Rücken liegend mit geschlossenen Augen), die Zuwendung durch den Sprecher sowie die Hinwendung auf die meist als angenehm erlebten Bilder in der eigenen Fantasie erzielt. Durch einen herabgesetzten Muskeltonus kommt es zu einer körperlich-seelischen Entspannung. Der Zuhörer stellt sich innere Bilder zu den Texten vor, in die möglichst viele angenehme Sinneseindrücke eingebaut sind.“
Quelle: Wikipedia
An einem warmen Sommerabend, an dem unser Sohn zwar müde, aber noch unruhig war, versuchten wir es also spontan mit einer Traumreise. Zu der Zeit brachten Mama und Papa ihn noch gemeinsam kuschelnd und singend ins Bett, es stellte sich aber heraus, dass Papa die geeignetere Erzählstimme für diesen Zweck hat.

Traumreisen sind ein Weg zur Entspannung

Durch Traumreisen Erlebtes verarbeiten

Durch Traumreisen Erlebtes verarbeiten

„Es waren einmal der Papa, die Mama, du und (mittlerweile) dein Bruder. Sie beschlossen, einen Tag am Baggersee zu verbringen. Doch bevor die Reise los ging, mussten sie noch auf ihre beiden Freunde warten. Als diese kamen, halfen sie beim Vorbereiten.“

„Freundin hat gegessen!“
„Ja? Was hatte sie denn gegessen?“
„Brot mit Gurken! Hab auch gegessen!“
„Ja stimmt – das hatte sie vorher noch gemacht. Aber ihr Freund hat so lange beim Schneiden der Äpfel geholfen. Danach wurde alles zusammen gepackt und die Reise ging mit dem Bollerwagen los.“
„Ich saß im Bollerwagen!“
„Genau. Am Baggersee angekommen, suchten wir uns einen Platz.“
„Hab meinen Freund gesehen!“
„Stimmt – auf den hattest du mich aufmerksam gemacht.“
„Wollte zu ihm gehen!“
„Echt? Das hattest du gar nicht gesagt.“
„Ja – war traurig.“
„Beim nächsten Mal kannst du gerne Bescheid geben, dass du zu ihm möchtest. Du musst es nur sagen.“
Die Geschichte geht mit dem Tagesablauf weiter und endet meist, wo die Routine beginnt. Doch auch darüber hinaus geht sie manchmal weiter, wenn der Sohn das möchte. Weil es ihn Glücklich macht, ersetze ich auch die Hauptfiguren aus seinen Lieblingsgeschichten zwischendurch durch ihn und lasse ihn das Abenteuer erleben. Daraufhin begann er, die Geschichte zu verändern oder erklärt vorher die Rahmenbedingungen der Geschichte, die er hören wollte. So wollte er mal auf einen Bauernhof gehen und den Hund seiner Großeltern mitnehmen. Ein anderes Mal nahm er Onkel und Tanten mit in den Garten, wo jeder mit seinem eigenen Bagger Löcher grub. Natürlich hatte jeder eine andere Größe und Farbe, wie er auf Anfragen beschrieb.

Durch Traumreisen Erlebtes verarbeiten

Schnell wurde deutlich, dass er so den Tag aufarbeitete, Gedanken ordnete und auch Unklarheiten erklären ließ. Wo ich war, warum jemand nicht kam, obwohl die Person es angekündigt hatte oder warum wir auf seine Wünsche oder gar Bedürfnisse nicht eingegangen waren. Im Gegenzug zeigt er, wie aufmerksam er den Tag verbringt, wieviel er mitgenommen hat und was er sich alles merkte. Ein ums andere Mal zeigte er, wie schnell wir Kleinigkeiten vergessen, die er sich merkte. Er zeigt mir aber auch, wie wichtig ihm manche Dinge sind, was ihn beschäftigt, was ihn traurig macht oder wovor er Angst hatte, ohne dass er etwas sagte.
Ich lerne meinen Sohn durch die Traumreisen noch besser kennen und kann besser auf seine Emotionen und Gedanken eingehen, die man in der Hektik des Tages manchmal etwas untergehen. Mal wird man von außen unterbrochen, mal fällt ihm etwas Neues ein und läuft spielen. Da rücken Feinheiten schnell mal in den Hintergrund und kehren am Abend zurück, um verarbeitet zu werden. Darüber hinaus schläft er auch viel ruhiger und schneller ein.

Bei innerer Unruhe ruhige Bilder schaffen

Traumreisen

auf ins Land der Träume…

Oft ist er zwar müde, aber der Kopf arbeitet noch und dann lässt der Schlaf auf sich warten. Hier helfen ruhige Bilder beim Entspannen. Das Erlebte wird langsam ausgeklammert und stattdessen wird zum Beispiel der Fluss beschrieben. Das Summen der Bienen, das plätschernde Wasser, das Zwitschern der Vögel, das sich im Wind wiegende Gras…

Wer einfallslos ist, findet sicher CDs zum Thema, Vorschläge kannst du gerne auch in den Kommentaren hinterlassen. Auch für Erwachsene können solche Traumreisen eine Entspannungshilfe und Alternative zur stillen Meditation sein.

Wie handhabst du die Einschlafbegleitung? Vorlesen oder freie Erzählung oder vielleicht lieber das Hörbuch?

2 Kommentare zu “Traumreisen: Mit Kindern den Tag aufarbeiten

  1. Ja, wir erzählen auch oft abends „Phantasiegeschichten“… meist frage ich ihn, worum es gehen soll (grob)… meistens irgendwas mit Tieren oder Zügen… und dann leier ‚ ich mir was aus dem Ärmel…. also als Phantasiereise würde ich meine Geschichten nicht bezeichnen… ist aber ne gute Idee… vielleicht such ich mir da mal was zum Vorlesen… würde mich auch freuen, hier Tipps zu bekommen! Vielleicht hat ja jemand einen Buch-Tipp?

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