Meine Strategie für entspannten Babyschlaf

Der selbstbestimmte Schlaf wird gerade wieder (zumeist) gelobt in meiner Time-Line und Kinder- und Babyschlaf ist ja immer so eine Sache für sich. Für viele Eltern artet das in Stress aus. Kein Wunder, zumindest bei mir verging beim Großen kaum ein Tag ohne die Frage,

Und, wie war eure Nacht so? Hat er gut geschlafen?

Meistens schlafen die Kinder im Bekanntenkreis auch noch alle beneidenswert gut und zuverlässig. Auf Dauer kann das ganz schön frustrieren, gerade wenn Du stillst und die Option, jemand anderes übernimmt mal, nicht besteht. (Flasche wurde hier bis vor kurzem komplett verweigert.) Zu allem Überfluss wurde kürzlich noch eine Studie verbreitet, die zeigen soll, dass es nicht schlimm ist, Babys schreien zunlassen. Stoßseufzer hier, Aufstöhnen dort. Was macht man jetzt, wenn der Schlaf des Babys einen verzweifeln lässt?

Leider habe ich nicht DEN Tip für Dich, aber vielleicht kann ich wenigstens dazu beitragen, die ganze Sache lockerer zu sehen.

Ich möchte an dieser Stelle kurz anmerken, dass ich neben meinem schlafenden, neun Monate alten Baby sitze, während ich hier tippe. Ich darf nämlich auch noch nicht gehen. (Anmerkung: Das betraf die Rohfassung, er feiert demnächst den ersten Geburtstag und ich liege immer noch die Abende ausnahmslos neben ihm…)

In der Regel wird einem geraten, ein Einschlafritual einzuführen. Das hilft garantiert! Vielleicht braucht das Baby/Kind auch mehr Ruhe, dann schaltet halt noch ein paar Gänge runter am Abend…

Rituale vor dem Babyschlaf

Ja, Kinder lieben sie meist, weil sie vorhersehbar sind.

Ich gestehe, ich tue mich schwer damit. Mir fällt immer noch etwas ein, das ich schnell noch erledigen könnte (idR die Stoffwindelwäsche) und an fixe Uhrzeiten kann ich mich da gar nicht halten, weil grundsätzlich mindestens eine volle Windel oder ein Unfall dazwischen kommt oder wir spontan doch länger am Baggersee bleiben, weil die Kinder ins Spiel vertieft sind. Und das wo ich Unpünktlichkeit ansonsten ganz fürchterlich finde.

Bei uns beschränken sich die Rituale daher auf Abläufe und haben nur einen groben Zeitrahmen: Essen, Zähne putzen, es wird noch getobt und danach wird das Wohnzimmer aufgeräumt. Dann darf noch etwas im Kinderzimmer gespielt werden.

Für das Baby und mich geht es nach dem Aufräumen wickeln und ins Schlafzimmer zum Stillen, wobei er dann auch einschläft. Dabei läuft leise Musik. Bei uns allerdings keine ruhigen Schlaflieder, sondern das Album „Stairway to Fairyland“ von Freedom Call, also Metal, ähäm… Das hat sich bei beiden zufällig ergeben und wir haben es eher Schulterzuckend akzeptiert.

Was beim Großen danach kommt, ist unterschiedlich und wird vom Papa begleitet. Das führt mich zum nächsten Punkt:

Bedürfnisse erkennen & erfüllen

Teil unseres Rituals ist aber auch, dass wir nicht vorgeben, wann geschlafen wird. Wir haben unseren Großen schon als Baby von Anfang an selbstbestimmt schlafen lassen. Jeder Versuch, daran herum zu pfuschen, war eh zum Scheitern verurteilt (z.B. Zeitumstellung). Selbstbestimmt heißt bei uns aber nicht alleine! Beide möchten und brauchen Begleitung, wie das abläuft, sieht immer mal wieder anders aus.

Ja, das funktioniert.

Der Große hat schon mit 10 Monaten deutlich gemacht, wenn er ins Bett wollte, nämlich mit den >Babyzeichen. Ab da musste es schnell gehen. War er nicht binnen 15 Minuten bettfertig und an der Brust, gab es Geschrei. Als er laufen konnte, hat er uns auch schlicht an die Hand genommen und ist Richtung Bett marschiert.

Auch der Kleine macht mittlerweile klar, wenn er noch nicht bereit zum Schlafen ist. Dann spielen wir noch etwas im Wohnzimmer und gehen erst rüber, wenn deutlich ist, dass er jetzt auch schlafen wird. Bei ihm vernachlässige ich die Babyzeichen leider etwas, daher ist er da langsamer als sein Bruder. Dein Baby hat bestimmt ganz eigene Wege, Dir zu zeigen, dass es müde ist, z.B. durch Augen reiben, langsamer werden, quengelig werden o.ä. Meine Schwägerin erzählte letztens auch, ihre Kleine zeigt ihr das Babyphone, wenn sie schlafen möchte.

Probier’s mal mit Ruhe und Gemütlichkeit.

Die Zeiten, zu denen unsere Kinder schlafen wollen, sind relativ regelmäßig. So haben wir irgendwann überlegt, ob der Große vielleicht schon früher ins Bett gehen würde, wenn wir vorher mehr Ruhe reinbrächten. (Zur Sommerzeit wurde es immerhin mindestens 21:30, manchmal auch nach 23Uhr – aber hey, wir können ewig am Baggersee bleiben!) Man hört ja auch ständig, „Abends bloß keine Hektik mehr aufkommen lassen!“

Großer Fehler im Falle unseres Hummelpos…

Der schlief und schläft nämlich erst richtig gut, wenn kurz vorm Schlafen nochmal richtig Tohuwabohu ist. Von Kissenschlacht bis Fusball war alles dabei. Irgendwann kam er dabei mit meinem Gymnastikball an und bei unserer Kasperei habe ich ihn damit umgeschossen, diesen 20 Monate alten Zwerg. Du kannst Dir sicher vorstellen, wie erschrocken ich war und wie leid es mir tat.

Er nicht. Er stand auf, zeigte das „nochmal“-Zeichen und brach in Tränen aus, als ich sagte, ich schieße ihn nicht mehr mit dem Gymnastikball um. Ab da hatten wir ein neues Abendritual… Dank Floorbed ist dabei nie was passiert!

Worauf ich jedenfalls hinaus will, ist, dass jedes Kind sein eigenes Temperament und seinen eigenen Rythmus hat und bin dafür, dass auf die Bedürfnisse des Kindes geschaut wird. Wann ist es müde? Wie kommt es abends am besten runter? Braucht es Ruhe oder muss es sich nochmal ordentlich austoben?

Ich halte nichts davon, daran herum zu fummeln. Ich für meinen Teil merke deutlich, dass es mir nur wirklich gut geht, wenn ich mich an Zeiten halten kann, die für mich stimmen. Früher oder später ins Bett zu gehen bringt mir deutlich weniger Erholung, egal wie viel oder wenig ich dann schlafe.

Und wie läuft das bei einem Baby? 

Du kennst es bestimmt. Die erste Zeit ist der Babyschlaf engelsgleich und du freust Dich vielleicht schon, weil Du vermeintlich eins von den begehrten „Anfängerbabys“ ergattert hast.

In der Regel kommt aber früher oder später das „böse Erwachen“: Da kann es noch selig auf dem Arm geschlummert haben, sobald es abgelegt wird und Mama nicht mehr spürbar ist, schlägt es die Augen auf und schreit.

Frustrierend, nicht? Wo bleibt denn da Freizeit?!

Tja, es ist schade um die schöne Freizeit (wie gesagt, ich sitze hier auch noch neben meinem Sohn), aber Sinn hat dieses Verhalten schon. Dr. Herbert Renz-Polster beschreibt das immer so schön mit Säbelzahntigern und Hyänen:

„Immerhin kann die Verhaltensforschung den Grund für dieses seltsame Verhalten benennen: über 99% der menschlichen Geschichte hätte ein Baby, das ohne Protest einfach alleine eingeschlafen wäre, den nächsten Morgen nicht erlebt. Es wäre von Hyänen verschleppt oder bei einem nächtlichen Temperatursturz unterkühlt worden. Und weil das Betriebssystem der Kinder nicht mit jeder Generation neu formatiert wird, suchen leckere kleine Menschenkinder bis heute die Nähe eines vertrauten Erwachsenen, wenn sie müde werden.

Und damit beginnt das Problem vieler Eltern. Darf ein Säugling denn überhaupt im Bett seiner Eltern schlafen? Oder droht ihm dort vielleicht – der Plötzliche Kindstod?“

(Quelle – Link im Zitat ist im Ursprungstext enthalten)

Wie schön, darauf wollte ich nämlich auch hinaus: das Bett zum Familienbett erklären!
Wie im Zitat schon geschrieben steht, glauben viele, das Risiko für den plötzlichen Kindstod sei dort erhöht und das eigene Bett sei sicherer. Also sehr gerne den verlinkten Quelltext lesen, wenn Du Dir deswegen – wie ich früher auch – Sorgen machst.

Für Lesefaule: Nein, im Familienbett ist das Risiko für den plötzlichen Kindstod unter bestimmten Bedingungen eben nicht höher als im eigenen Bett!

Hauptsache geborgen

Die erste Zeit schliefen beide Babys immer da, wo wir Eltern bzw. ich (Papa war beim Großen nämlich komplett unerwünscht) mich gerade aufhielt. Mit ca. 4 Monaten schlief mein Großer damals dann im Bett ein und ich sah meine Freiheit zurückkehren. Bei anderen klappt das schließlich auch…

Ich habe aber falsch gedacht! Beim abendlichen aus dem Zimmer schleichen fühlte ich mich immer an TabalugaTV erinnert, wenn am Schluss jeder Folge die Kinder das Eisschollenfeld von Arktos überqueren mussten. In der Sendung fand ich das immer toll, meine knärzenden Bodendielen-Ausweichmanöver fand ich hingegen weniger witzig.

Also blieb ich kuschelnder Weise liegen. Starrte gelangweilt und mal mehr, mal weniger frustriert die Zimmertür an. So nah und doch so fern. Dass mein Sohn mich brauchte, um sich sicher genug zum Schlafen zu fühlen, störte mich daran aber nie. Was mich ungeduldig machte, waren die eigenen Hummeln im Po. Das Nichts tun können und das, wo zig Ideen und Gedanken mein Hirn zumüllten. Oder mein Uni-Kram drängelte sich in meine Gedankenwelt. Oder ich wurde so müde, dass ich einfach mit schlief. So hatte ich mir das nicht vorgestellt.

Warum schreien lassen keine Option ist

Erschwerend hinzu kam, dass die äußeren Stimmen lauter und drängender wurden. „Kinder müssen um 19 Uhr im Bett sein. Da ist Feierabend!“, war da noch nett. Jedenfalls kam ich mir da schon oft bevormundet vor und es hatte oft den Beigeschmack von „selber schuld“.

„Er muss halt lernen, alleine einzuschlafen. Lass ihn ruhig mal schreien„, hingegen fand ich schon immer ziemlich… Ach, ich finde da keine Worte für. Es frustriert mich, macht mich traurig, mal mehr oder weniger wütend und es lässt mich mich hilflos fühlen. Gerade jetzt, wo eine Studie herumgeistert, die belegen will, dass es doch nicht hirn-schädlich ist. Puh. Kathrin von >Nestling.org hat da deutliche Worte für:

„Mich interessieren medizinische Daten wie der Cortisolspiegel meines weinenden Kindes nicht, denn wenn ich in seine Augen schaue, dann weiß ich auch ohne Messwerte, dass es sich nicht sonderlich gut fühlt. Und ich spüre auch ohne wissenschaftliche Untersuchungen, dass es ihm sofort besser geht, wenn ich es tröste.“

Hier bitte auch nochmal bei Dr. Renz-Polster >vorbeischauen. Er erklärt nämlich leicht verständlich, warum, wieso, weshalb man das Baby eben nicht schreien lassen sollte und mal von dem wissenschaftlichen Gedöns abgesehen:

(…) es geht bei diesen Fragen im Grunde nicht um irgendwelche Experimente oder sonstige Studien, es geht um die Gestaltung von Beziehungen.

Ich akzeptiere die Bedürfnisse meines Babys also, manchmal auch nur Zähne knirschend, weil ich weiß, warum es diese hat und mit welchen Folgen ich bei Anwendung der Ferber-Methode rechnen müsste. Ja, ich bin frustriert und traurig, wenn mein Mann Spieleabende in der Küche veranstaltet und ich die Gruppe lachen höre – was nichts daran ändert, dass ich ihm diese Auszeiten wirklich gönne! Ja, ich fühle mich manchmal isoliert dadurch, dass ich so lange beim Baby liege, aber mein Baby versteht es nicht.

Babyschlaf – Situation annehmen

Für mein Baby bin ich der Anker in dieser, für es noch fremden Welt. Ich bin seine Sicherheit. Dass hier keine Gefahren für es lauern, davon versteht es noch nichts und daher wird es nach mir verlangen. Das wird aber nicht ewig so sein.

Daher lass uns entspannen und das Beste aus der Situation machen!

Bei meinem Großen musste ich sehr lange mindestens eine halbe Stunde warten, ehe ich das Zimmer verlassen konnte. Knarrende Bodendielen haben ihn grundsätzlich geweckt, wenn ich mich raus schleichen wollte.

Babyschlaf StrategieFür mich war die beste Lösung ein E-Reader gegen die Langeweile. Der Nachteil seitdem ist, dass ich mich regelmäßig festlese und das Zimmer freiwillig nicht mehr verlasse…

Später kam das Tablet dazu, damit kann ich nicht nur endlich auch pdf-Dateien aus dem Studium lesen, sondern auch Notizen machen und das Internet nutzen. Quasi das Büro ins Bett verlegt. Ein internetfähiges Handy oder MP3-Player tun es sicherlich auch.

Ruhe bewahren

Sobald ich abends nicht mehr darüber nachdachte, wie viel Zeit ich jetzt quasi „nutzlos“* kuschelnd vergeude, schlief mein Sohn schneller ein. Vor allem auch länger bis zur nächsten Stillpause.

*Ich möchte nochmal betonen,  dass ich das Kuscheln an sich nicht als nutzlos ansehe und es auch gerne tue, aber ich kann einfach nicht stumpf rumliegen.

Dir hängt der Spruch, „es ist alles nur eine Phase“, vermutlich auch schon zum Hals heraus – aber er stimmt halt.

Kinder sind nunmal unterschiedlich, aber jedes von ihnen hat das Recht, in seinen Bedürfnissen gesehen und geachtet zu werden. Daher gibt es in meinen Augen auch nicht DEN Tip schlechthin. Jedes Kind braucht und verdient seine ganz persönliche Einschlafbegleitung.

Ich habe außerdem den Eindruck, dass der Stress mit dem Ein- und Durchschlafen eher selbst gemacht ist. Es wird erwartet, dass das Baby sich möglichst sofort unseren Gewohnheiten anpasst und wir unsere Ruhe haben. In anderen Kulturen ist man da wohl viel entspannter, Co-Sleeping ist dort verbreiteter.

„Unsere Tage sind – durch das nicht artgerechte Leben – oft so strukturiert, dass eine Mutter nur schlafen kann, wenn ihr Baby schläft, weil sie wenig bis keine Unterstützung hat. Wenn sie zudem noch zu den Menschen gehört, die tagsüber nicht schlafen können oder »dürfen«, dann wird Nachtschlaf plötzlich zu einer unverhältnismäßig relevanten Größe.“

Nicola Schmid – >123windelfrei.de & Artgerecht-Projekt

Ich für meinen Teil finde es beruhigend zu wissen, dass ich nicht den Rest meines Lebens damit verbringen werde, meine Abende im Bett zu sitzen. Eines Tages wird er das nämlich doof finden und dann werde ich es vermissen.

Mehr zum Thema selbstbestimmtes Schlafen:

Motherbirthblog – Selbstbestimmtes Einschlafen oder wie sich das nennt…

Geborgenundgeliebt – Selbstbestimmtes Schlafen – Geht das?

unerzogen leben – 4 Ideen, wie du das selbstbestimmt schlafende Kind überlebst

2kindchaos – Selbstbestimmtes Einschlafen – my ass!

Vielleicht konnte ich Dich mit diesem Artikel ein bisschen beruhigen, dass Dein Baby (oder auch Kleinkind) sich total normal verhält und Du nicht alleine mit dieser Situation bist.

Wenn Du das alles komplett anders siehst, kannst Du gerne den Kopf über mich schütteln und Dir denken, ich sei ein armer Tropf. Das ist okay für mich. Möglicherweise hast du aber auch den Tipp, den alle suchen, und magst ihn mit uns teilen?

über Amy

Amy ist Mutter von zwei Jungs (*2013 & *2015) und schreibt auf dem Blog meinRabennest seit 2016 über pagane Elternschaft und eine freiere, gesellschaftskritische Sicht auf die Erziehung. Im November 2016 wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit und arbeitet von Zuhause aus in der Magieweberei, wo zauberhaften Filzpuppen, Edelsteinschmuck für das seelische Wohl und anderes Hexenwerk ein neues Zuhause suchen.

Kommentar verfassen