Geburtsbericht einer Hausgeburt

Nach der Geburt meines ersten Sohnes war für mich klar, dass es beim nächsten Kind eine Hausgeburt wird. Ein Geburtshaus wäre wohl auch eine Alternative gewesen, aber wir haben uns schon allein wegen Sohn1 für daheim entschieden. Ohne die Möglichkeit, außerhalb des Krankenhauses entbinden zu können, hätte ich mich gegen ein zweites Kind entschieden. Das wiederum wäre für mich eine sehr bittere Pille gewesen und wenn sich politisch nicht endlich was tut, wird es diese Alternative immer seltener bis gar nicht mehr geben. Dazu dann demnächst auch noch mehr.

Heute möchte ich erzählen, wie ich Sohn1 auf die Hausgeburt und die Ankunft eines Geschwisterchens vorbereitet habe und wie die Geburt an sich verlief.

Wir werden vier!

Sohn1 – zu dem Zeitpunkt fast 2 Jahre alt – war ganz aus dem Häuschen, als er erfuhr, dass jetzt auch in Mamas Bauch ein Baby ist. Das hat er schon bei seinen Tanten mehr oder weniger mitbekommen und hat sich gefreut, dass er jetzt auch ein Geschwisterchen bekommt. Für ihn war das wohl noch alles sehr abstrakt und er konnte sicherlich nicht abschätzen, was da auf ihn zukommen würde und ob er sich dann tatsächlich noch freuen würde?

Zu den Vorsorgeuntersuchungen bei der Frauenärztin kam er jedes Mal mit und bestaunte alles. Leider stand meine Frauenärztin Hausgeburten eher skeptisch und besorgt gegenüber. Er hat sich gefreut, wenn er die Arme und Beine vom Baby beim Ultraschall erkennen konnte. Meine Ärztin hat ihm auch jedes Mal ein eigenes Bild vom Brüderchen ausgedruckt und das wurde ausgiebig bestaunt und rumgezeigt. Mein Herz ging jedes Mal auf, wenn er begeistert davon erzählte, dass er bald großer Bruder würde. Ich gehe allerdings stark davon aus, dass die wenigsten Leute verstanden haben, was er mit seinem damals noch recht kargen Wortschatz zu erzählen versuchte.

Ja, wie macht man so einem kleinen Menschen begreiflich, dass da bald ein noch kleinerer Mensch da sein wird – und vor allem: bleibt?

In vielen Facebook-Gruppen wurde das Buch „Wir sind jetzt vier“ angepriesen wie Sauerbier, weswegen es auch bei uns einziehen durfte. Das musste auch täglich mehrmals vorgelesen werden und kurz darauf konnte ich es auswendig. An sich finde ich das Buch wirklich niedlich gemacht und auch, dass es zeigt, dass das „große Kind“ – das ja eigentlich selbst noch recht klein ist – erst mal zurückstecken muss, gefällt mir. Mit den Lösungsvorschlägen der Problematik bin ich noch nicht ganz zufrieden. An dieser Stelle kurz mein Rat an dich: Besorge dir ein Tragetuch! Das ist Gold wert, wenn das Baby Schlaf braucht, das Geschwisterkind aber auch Betreuung braucht.

Außerdem bekamen wir das Buch „Runas Geburt“ ausgeliehen und so bekam ich beim Vorlesen immerhin etwas Abwechslung. Das Buch hat die Hausgeburt als Schwerpunkt und passte somit für uns super. Sohn1 mochte es wohl auch sehr gerne. Von meiner Hebamme hatte ich noch ein Büchlein bekommen, nämlich „Klopft da wer?„. An sich ist auch das nicht schlecht, aber mir gefallen die Zeichnungen jetzt nicht so sehr und ich glaube, der Text war für meinen 2-Jährigen zu kompliziert und wurde auch eher selten zum Vorlesen gebracht.

Dazu brachte sie mir eine Broschüre mit, die über Hausgeburten und Geburten im Geburtshaus aufklärt. Ich habe jetzt gesehen, dass du eine einzelne Broschüre kostenfrei zugeschickt bekommen kannst. Bei Interesse hier entlang.

Hausgeburt – Wohin mit dem Nachwuchs?

Das war dann unsere nächste Überlegung. Die Großeltern wohnen alle mindestens eine Stunde entfernt und auch wenn wir eine große Verwandtschaft haben, hat der Sohn zu niemandem eine so starke Bindung gehabt, als dass er längere Zeit dort geblieben wäre oder nachts akzeptiert hätte, dass wir nicht da sind. Ich wollte nämlich meinen Mann gerne wieder dabei haben. Das letzte Mal hat er mich ja auch die ganze Zeit von den Schmerzen abgelenkt und gut zugeredet. Die Vorstellung, das alleine durchzuziehen, fand ich schrecklich.

Na ja, was spricht denn eigentlich dagegen, dass Sohn1 bei der Geburt dabei ist? Das Baby soll eh im Wohnzimmer das Licht der Welt erblicken dürfen. Dass er woanders schläft, war keine Option. Dass jemand mit ihm länger ohne uns unterwegs ist, war damals auch noch unvorstellbar. Dazu diese unbändige Neugierde und die Vorfreude auf das Baby. Irgendwann äußerte er selbst, er wolle bei der Geburt dabei sein und so freundete ich mich langsam damit an, dass ich zwei weitere, wenn auch kleinere Hände zur Unterstützung haben würde.

Ich habe ihm immer wieder erzählt, wie eine Geburt abläuft und habe dann auch mal nach Videos gesucht, die ich mit ihm gucken könnte. Dabei bin ich u.a. auf die Geburt von Lemma Marie gestoßen. In dem Video darf man die Mutter bei ihrer Hausgeburt durch die Wehen begleiten und zusehen, wie das Baby im Geburtspool auf die Welt kommt, ohne dabei die Intimsphäre zu stören. Sohn1 mochte dieses Video sehr und fragt auch heute noch explizit nach, ob er es nochmal anschauen darf.

In einem anderen Video kann man eine Familie sehen, die ihre zwei Kinder auf die Geburt des Babys vorbereitet, wie es im Krankenhaus in Anwesenheit der Kinder auf die Welt kommt und wie sie die erste Zeit zuhause verbringen. Ich finde dieses Video schön und meinem Sohn hat daran gefallen, dass die Kinder zusehen durften. Mittlerweile muss man angemeldet sein, um es anzusehen (Ich finde es unnötig, weil man eigentlich „nichts“ sieht, aber was muss, das muss.).

Wir haben auch noch andere Videos geschaut, aber entweder sind sie mir nicht im Gedächtnis geblieben oder ich finde sie nicht wieder. Mich hat bei einigen wirklich gefreut, dass die Geburt als etwas Natürliches angenommen und gezeigt wurde, was oft mit der Familie gemeinsam erlebt und teilweise regelrecht zelebriert wurde. Die Suche nach passenden Videos lohnt sich also wirklich.

Ich hatte den Eindruck, dass Sohn1 das alles gut aufnahm und traute ihm durchaus zu, beim Geburtsvorgang dabei zu sein. Außerdem würden neben zwei Hebammen und meinem Mann auch eine gute Freundin dabei sein, falls dem Großen die Situation doch zu viel werden sollte.

Schatz, du darfst jetzt kommen!

Das Wetter war auf den letzten Metern ungnädig, es war so dermaßen heiß, dass ich so viel Wasser einlagerte, dass ich als Kamel hätte durchgehen können. Keine Schuhe passten mehr, von Hosen ganz zu schweigen. Glücklicherweise besaß ich Umstandskleider, andernfalls hätte ich den Rest der Schwangerschaft nackt verbracht. Für drei Wochen kaufe ich bestimmt keine neuen Klamotten mehr. Nein, ich bin gar nicht stur…

Meine Eltern waren zwischenzeitlich eine Woche zu Besuch und meine Mutter brachte mir gnädiger Weise Schuhe mit, die passten und mich wieder befähigten, das Haus zu verlassen, ohne meine Fußsohlen zu verbrennen. Ehrlich, ich besaß nie schönere Schuhe. Die waren Rosa und passten mit Müh‘ und Not im letzten Loch. Ich habe sie gehasst! Ich habe mich nach der Geburt über jedes Loch, dass ich enger stellen durfte, gefreut wie ein Schneekönig – und sie dann aus meinem Leben verbannt.

Mein Großer war schon ganz aufgeregt und wenn ich mal wegen einer Wehe stehen bleiben musste, wurde fleißig der Kugelbauch gestreichelt. Überhaupt ist so ein Kind total praktisch. Das verteilt wenigstens die Creme auf dem unteren Teil des Bauches, den man als Schwangere ja irgendwann nicht mehr sieht. Die Pflege meiner Haut war gesichert. Leider bewahrte auch die Hilfe meines Kindes mich nicht vor ein paar weiteren Zierstreifen.

Ich wehte vor mich hin, ohne dass sich groß etwas tat. Der errechnete Termin rückte immer näher. Die Frauenärztin äußerte nochmal vergebens ihre Sorge über die Hausgeburt und erklärte mir, ich dürfe nur 7 Tage über den ET gehen. Sicherheit geht vor und so. Ich wurde also ungeduldig und ein wenig ängstlich, denn um keinen Preis wollte ich wieder ins Krankenhaus. Meine Hebamme klärte mich aber darüber auf, dass man mich ja schlecht dazu zwingen könne und so wartete ich artig und minimal beruhigter darauf, dass das Baby ausziehen wollte.

Mein Kreislauf war ständig im Eimer, was meiner Frauenärztin noch weniger gefiel, und die Hitze tat ihr Übriges, um die letztes Tage mit Kugelbauch eher unangenehm zu gestalten. Dank einem Bad in Totes Meer Salz wurde ich immerhin kurzfristig etwas Wasser los und das Gehen ließ meine Füße nicht mehr gar so sehr kribbeln.

Eines Tages (40+3) wachte ich dann auf und die ersten „richtigen“ Wehen ließen nicht lange auf sich warten. Es dauerte dann auch gar nicht mehr so lange, bis ich zu meinem Mann sagte, dass ich da gar keine Lust drauf hätte. Die vorige Nacht war wenig erholsam und mir wäre es recht gewesen, vor der Geburt wenigstens nochmal ein Nickerchen zu machen, aber das Baby kannte keine Gnade. Also habe ich mich in die Badewanne gelegt, während der Sohn Weintrauben anschleppte und mich regelmäßig damit vollstopfte fütterte.

Die Hebamme machte sich nach einem Anruf auf den Weg und rief etwas später die zweite Hebamme an, die aber selbst gerade zu einer anderen Hausgeburt gerufen worden war. Nachdem für Ersatz gesorgt war, meinte sie lachend:

Mal sehen, welches Baby heute schneller ist!

Kurz nach Mittagszeit riefen wir auch unsere Freundin an, die mittlerweile Feierabend hatte und eine halbe Stunde später dabei half, den Gymnastikball aufzupumpen und den Großen bespaßte. Währenddessen tigerte ich etwas genervt durch die Wohnung. Mir waren das zu viele Menschen, obwohl das natürlich alles wirklich liebe und einfühlsame Menschen waren. Mein Sohn lachte und tobte Freude strahlend, mein Mann fragte mich gefühlt alle zwei Minuten wie es mir ging und ob er mir etwas Gutes tun könne (Leise sein!) und überhaupt die Anwesenheit von Menschen machte mich total nervös.

Eigentlich war geplant gewesen, dass mein Mann, unser Sohn und auch die Freundin bei der Geburt dabei sein dürfen, aber ich bat irgendwann darum, doch bitte auf den Spielplatz zu gehen, weil mir einfach die Ruhe fehlte. Die Hebammen verkrümelten sich derweil auf die Terrasse, wo eine Mütze für das Baby gehäkelt wurde und ich legte mich hundemüde nochmal aufs Sofa. Nicht, dass das mit Wehen sonderlich bequem oder entspannend war, aber ich hatte das Gefühl, meinem Körper fehlt Energie.

Mir fiel dann irgendwann auf, dass ich abgesehen von den gefütterten Weintrauben am Morgen den Tag über noch nichts gegessen hatte, weil ich null Appetit hatte. Tja, das rächte sich jetzt mit Unterzuckerung und es wurde mit Traubenzucker Abhilfe geschaffen. Mittlerweile hatte die Hebamme auch mal nach dem Muttermund geschaut und vermutete eine Wehenschwäche und sie beratschlagten zu zweit, wie wir weiter machen. Es war inzwischen Abend geworden und ich wurde gefragt, ob es in Ordnung sei, wenn sie die Fruchtblase sprengen würde, mit der Anmerkung, dass es dann wahrscheinlich schneller voranginge. Ich erinnere mich an die Umstände ab hier gar nicht mehr so genau, fällt mir gerade auf. Ich weiß, dass sie die Fruchtblase sprengte und ja, ab da ging es voran und man gab mir ein Fläschchen, an dem ich riechen sollte, weil es meinem Kreislauf helfen würde. Keine Ahnung, was es genau war, aber es half tatsächlich oder ich bildete mir dies wenigstens ein.

Wir wanderten kurz zu dritt ins Badezimmer und überlegte, ob das Hocken auf der Toilette oder dem Gebärhocker es für das Baby leichter machte, aber mich machte diese Position fertig. Wir landeten schlußendlich vor dem Sofa und dieses Mal waren meine Knie so gnädig, dass ich in dieser Position auch länger bleiben konnte.

Gefühlt dauerte diese Geburt bzw. die Endphase länger als beim Großen, ich war einerseits wie weggetreten und andererseits tief konzentriert auf das, was da passierte. Zwischendurch jammerte ich das „Ich kann aber nicht mehr…“, das scheinbar fast jede Schwangere kurz vor Schluß mal äußert und wurde fleißig ermutigt, dass ich das toll mache und wir das gemeinsam hinkriegen. Meine Hebamme war eine wirklich nette Frau, die viel erzählt und voller Energie ist und zwischendurch verfiel sie immer mal in aufmunternde, anspornende „Reden“, was mir während den letzten Metern einfach zu viel wurde. Als mein Mann später heim kam, erzählte sie ihm belustigt, dass ich ja sonst immer so ruhig und gefasst wirke, sie aber jedes Mal mit einem energischen „Pscht!“ zum Schweigen gebracht hätte. Tatsächlich war mir nicht mehr zum Reden, mein „Ich fühl mich so schwach“ sparte ich mir dann auch und jedes Wort war mir zu anstrengend geworden.

Irgendwann sagte sie mir, dass sie den Kopf sieht und er gleich da wäre und ob ich fühlen wolle. Nä! Dann kipp ich bestimmt um, dachte ich und konzentrierte mich lieber weiter. Der Kopf war also da – und er fing an zu treten! Ehrlich, ich kenne kaum ein vergleichbar seltsames Gefühl, als diese Tritte in meinem mittlerweile schlaffen Bauch und war dann froh, als das Baby ganz draußen war und seine Füße die frische Luft treten konnten.

Wow, der ist ja riesig!

Meinte meine Hebamme so gleich, während sie ihn hoch nahm und fügte hinzu, dass er auch ganz schön was wiege. Sie und ihre Kollegin wirkten zufrieden. Ich hievte mich derweil aufs Sofa und legte das Baby an die Brust. Irgendwann war dann auch die Plazenta draußen und auf Vollständigkeit untersucht und es ging ans Untersuchen der Geburtsverletzungen. Nur die Narbe des Dammschnittes war ein Stück gerissen und wurde genäht, während ich meinem Mann endlich Bescheid sagte.

Wo ist das Baby?!

kuscheln-nach-hausgeburtVöllig erschöpft und müde trudelte mein Mann mit Sohn und Freundin bei uns ein. Die Freundin ließ sich ein Stück abseits auf einen Stuhl fallen und beobachtete erst mal nur. Mein Mann trug den Großen zum Sofa und erzählte ihm dabei, dass das Baby nun da sei. Er krabbelte dann näher und schaute sich mit großen Augen um, entdeckte das Baby vor lauter Handtüchern aber erst gar nicht. Als er dessen ansichtig wurde, wurden die Augen noch größer und strahlten solche Freude aus und er fragte, ob er es streicheln dürfe, wobei er dann wirklich vorsichtig war. Da flog ihm mein Herz nur so zu, wie er da Freude strahlend unseren Neuankömmling begrüßte.

Die Hebammen zogen sich in die Küche zurück, um den Papierkram zu erledigen und wir kuschelten als Familie auf dem Sofa und unterhielten uns mit der Freundin. Eine der Hebammen verabschiedete sich dann, die andere half mir beim Duschen und blieb danach noch zum Essen – wir bestellten Pizza – und besprach mit mir, dass sie am nächsten Morgen nochmal käme, um Blut abzunehmen.

Unsere Freundin blieb noch etwas, fuhr dann aber auch erschöpft nach Hause und wir waren alle noch so aufgeregt, dass wir erst kurz nach Mitternacht ins Bett kamen. Dabei gab es dann noch kurz ganz viel Trauer, weil wir nicht wollten, dass der Große direkt neben dem Baby schläft, immerhin war er schon immer ein kleiner Flummi. Am Ende kuschelte er sich auf meine andere Seite und streichelte über meine Brust hinweg die Wange des neugeborenen Bruders.

Am nächsten Morgen kam unsere Hebamme wie abgesprochen und überreichte uns eine hübsche Geburtskerze, untersuchte mich und das Baby und bat mich dann, das Baby zu stillen, während sie ihm die gemeine Spritze in die Ferse gab. Er zuckte kurz, krallte sich an meiner Brust fest, nuckelte aber weiter. Ohne einen Mucks. Und ich erinnerte mich an die fiese Art, mit der man es damals beim Großen getan hatte: Schreiend vor Hunger nahm man ihn mit, weil er ja gerade wach war.

Der Große klebte förmlich am Baby und wollte überall helfen und dabei sein und erzählte dann auch der Nachsorgehebamme ausführlich, von der Hausgeburt. (Meine Geburtshebamme betreute mich wegen der Hausgeburt während der Vorsorge und der Geburt, hatte aber einen zu weiten Fahrtweg, als dass sie jeden Tag zur Nachsorge kommen konnte; die Nachsorgehebamme hatte mich auch im letzten Wochenbett schon betreut.)
Ich glaube, am liebsten hätte er das Baby selbst gestillt und im Tragetuch getragen, nahm aber alternativ seine Puppe und setzte sich zu mir.

Nach der Geburt von Sohn1 hatte ich mich wie die letzte Mimose gefühlt, weil ich ewig nicht sitzen konnte und mich allgemein sehr zombiemäßig gefühlt hatte. Dieses Mal mussten mein Mann und die Hebamme mich immer wieder bremsen, denn ich fühlte mich voller Energie und Tatendrang. Das Wochenbett heißt ja aber nicht umsonst WochenBETT und so legte ich mich widerwillig viel hin und ruhte mich nach Möglichkeit aus. Mit Baby und 2,5-Jährigen ist da sowieso nicht so viel mit Ruhe gewesen.

Fazit: Wenn, dann Hausgeburt

Obwohl ich mich unter der Geburt so schlapp gefühlt hatte, habe ich mich die gesamte Zeit über sicher und gut aufgehoben gefühlt. Wenn es medizinisch nicht absolut notwendig ist, würde ich die Hausgeburt also immer wieder der Krankenhausgeburt vorziehen. Wäre die Möglichkeit der außerklinischen Geburt nicht gegeben, hätte und würde ich kein Kind mehr bekommen.

Ich wurde häufig gefragt, ob das nicht riskant wäre, ob ich keine Angst hätte, dass etwas passiert und ob es denn reicht, wenn mich meine Hebamme begleitet:

  • Nein, eine Hausgeburt ist nicht riskanter, zumal auch weniger (unnötig) interveniert wird
  • Nein, meine Hebamme ist kompetent und erfahren, zusätzlich einfühlsam und kannte mich und meine Vorgeschichte, was ihr ermöglichte, wirklich auf mich und meine Bedürfnisse einzugehen
  • Im Krankenhaus hätte ich die Sorge gehabt, dass wieder dazwischen gefunkt wird. Der natürliche Geburtsvorgang sieht Ruhe vor; viele Untersuchungen (Muttermund, CTG…) zwischendurch und unnötiges Eingreifen (Wehentropf, obwohl natürliche Wehen ausreichend vorhanden z.B.) stören und verlängern die Geburt bzw. können Komplikationen (durch Stress z.B.) auch erst auslösen.
  • Während der Hausgeburt war eine 2:1 Betreuung gesichert, beide Hebammen waren nur für mich und das Baby da und mussten nicht zwischendurch nach anderen Gebärenden sehen

Wie stehst du zu außerklinischen Geburten? Welche Erfahrungen hast du im Geburtshaus bzw. daheim gemacht? Ich würde mich freuen, wenn du uns davon berichtest.

Weiterführende Links zum Thema Hausgeburt:

16 Empfehlungen der WHO zum Gebären

Laut Zentrum der Gesundheit sind Hausgeburten sogar sicherer

Von guten Eltern: „Keine Wahl mehr…“ & „Wer soll über den Geburtsort entscheiden?

Nestling.org: „Warum eine Hausgeburt?“ & „Geschwister auf die Geburt vorbereiten

über Amy

Amy ist Mutter von zwei Jungs (*2013 & *2015) und schreibt auf dem Blog meinRabennest seit 2016 über pagane Elternschaft und eine freiere, gesellschaftskritische Sicht auf die Erziehung. Im November 2016 wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit und arbeitet von Zuhause aus in der Magieweberei, wo zauberhaften Filzpuppen, Edelsteinschmuck für das seelische Wohl und anderes Hexenwerk ein neues Zuhause suchen.

7 Kommentare zu “Geburtsbericht einer Hausgeburt

  1. Wunderschön geschrieben 🙂
    Wie du weist, liebe Schwägerin hatte ich auch eine wundervolle Hausgeburt. Immer wieder würde ich es einer Krankenhausgeburt vorziehen. Ich habe ebenfalls schlechte Erfahrungen im Krankenhaus machen müssen. Die erste eher weniger, allerdings die zweite um so schlimmer.
    Die Hausgeburt war sehr heilend und man sieht, dass es auch anders geht!
    Auch mein Mann der ganz am anfang eher skeptisch war, konnte sich sehr gut mit einer Hausgeburt anfreunden, nach dem ihn die Hebamme aufgeklärt hatte. Mittlerweile erzählt er gern das unsere jüngste Zuhause im Wohnzimmer kam 🙂

  2. Wie wunderbar und toll dass du dich dafür entschieden hast. Ich bin zwar nach einer ersten schlechten Erfahrung wieder ins Krankenhaus, aber konnte mich besser vorbereiten und die zweite Geburt war selbstbestimmter als die erste. Ich kann es aber sooo gut verstehen, dass man nicht im Krankenhaus gebären will. Während der Wehen hatte ich auch Zeiten, wo ich einfach meine Ruhe wollte und alle weggeschickt habe 🙂 und dieses Anfeuern bei der Geburt mag ich überhaupt nicht. Da gibts eine lustige Szene aus Sex and the City (zwar auch eine Krankenhausgeburt, aber echt gut): https://www.youtube.com/watch?v=NmrTdtYSzGU

  3. Hallo =)

    Danke dass du diese Erfahrungen teilst. Ich finde es sehr beruhigend, wenn man sich durch das Lesen solcher Geburtsberichte ein wenig auf die eigene Geburt vorbereiten kann.

    Meine Tochter ist auch bei uns zu Hause auf die Welt gekommen und in Erwartung unseres zweiten Kindes habe ich wieder angefangen mich mit dem Thema zu beschäftigen. Es hat mich außerdem an meinen eigenen Geburtsbereicht erinnert, den ich bisher noch gar nicht veröffentlicht hatte. falls es dich interessiert: http://daesdiary.blogspot.de/2016/09/die-geburt-unserer-tochter.html

    Ich mache mir momentan viele Gedanken wie ich meine Große auf die Geburt vorbereiten soll, die natürlich auch wieder zu Hause stattfinden soll.
    Sie ist aber gerade erst 1 1/2 Jahre alt und scheint noch gar nicht zu verstehen, dass da ein Baby in Mamas Bauch wächst. Wenn das Baby kommt wird sie gerade 2 Jahre alt sein. Ich hoffe sehr, dass sie bis dahin versteht das sie ein Geschwisterchen bekommen wird.
    Außerdem habe ich Sorge, dass ihr die Geburt zu viel wird. Bei der Letzten war ich jetzt nicht grade leise und wenn sie nicht versteht was passiert (und vielleicht sogar wenn sie es versteht) könnte sie es doch verstören wenn ich da so rumschreie, oder nicht? Außerdem wird sie nicht schlafen können, wenn es wieder bis mitten in die Nacht gehen sollte…

    Naja…das sind so Gedanken die ich mir da gerade mache ^^“

    Aber danke schonmal für deine Buchtipps und Videos. Ich hoffe sie wird damit in den kommenden Monaten noch etwas anfangen können…

    Grüße

    ~dae~

    • Liebe Dae,
      Bei Gelegenheit lese ich mir deinen Bericht gerne durch. 🙂
      Hast du schon mit deiner Hebamme darüber gesprochen? Unsere riet uns, einen Plan B bereit zu haben, damit Söhnchen nicht dabei sein muss, wenn es ihm zu viel wird. Eine Freundin, die er gut kennt, war dabei. Diese spielte mit ihm, hätte ihn auch mitgenommen oder wäre über Nacht geblieben. Schlussendlich habe ich bis auf die Hebammen ja alle raus geworfen. Hätte ich vorher nicht für möglich gehalten.
      Ich glaube auch, dass Kinder das noch anders aufnehmen und man sich oft zu viele Sorgen macht. Vielleicht ist das naiv, das weiß ich nicht. Ich hatte aber den Eindruck, dass mein Sohn alles, auch mein Geächze und Gestöhne, als normal wahrgenommen hat und nicht als beängstigend.
      Ich wünsche dir jedenfalls schonmal eine schöne Schwangerschaft und eine selbstbestimmte, schöne Geburt!
      Liebe Grüße
      Amy

      • Danke Amy =)

        Ich habe erst nächste Woche meinen ersten Termin bei meiner Hebamme und werde sie mal fragen. Es wird auf jeden Fall eine der Großmütter kommen…aber die wohnen alle zu weit weg um das Kind über Nacht mitzunehmen. Naja…mal sehen was wir für eine Lösung finden.

        Ich hätte noch eine Frage: hast du deine Geburt(en) irgendwie zelebriert? Im paganen Kontext meine ich. Durch so etwas wie einen Geburtsaltar, Chanting während der Geburt, Schutzamulette,… irgendsowas?
        Ich habe mir zur letzten Schwangerschaft das Buch „Geboren im Schutz der großen Göttin“ gekauft, wo ein paar solcher Sachen beschrieben sind. Ich fand es ganz nett, nur hatte ich unter der Geburt leider überhaupt keinen Gedanken mehr für sowas übrig ^^“

        Oder ist das nicht so die Art von Paganismus die du vertrittst/praktizierst? gibt da ja verschiedene…hoffe die Frage ist hier nicht total fehl am Platz. Bis jetzt habe ich dazu noch nichts in deinem Blog gelesen und ich finde es immer interessant wie andere das alles schaffen in ihr Leben zu integrieren.

        Grüße

        ~dae~

        • Liebe dae,

          Ich bringe das auch viel weniger ein als mir lieb wäre, auch hier im Blog. In der Schwangerschaft nur durch Meditationen und ich hatte das Bedürfnis, meinen Achat-Anhänger zu tragen. Der soll wohl die werdende Mutter und das Kind schützen und eine leichte Geburt begünstigen. Ansonsten war ich schwer mit dem großen Bruder und der Müdigkeit beschäftigt. Da habe ich mir um den Jahreszeitentisch/Altar gekümmert und ihm das näher gebracht, aber an sich reichte mir das Meditieren auch. Musikalisch bin ich wieder bei Omnias instrumentalen Stücken gelandet. Die empfinde ich als erdend. 🙂

          Das von dir genannte Buch werde ich mir mal anschauen. Irgendwie bin ich gar nicht auf die Idee gekommen, nach Literatur zu gucken.

          Wünsche ein schönes Wochenende!

          Amy

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