Vom Tag, an dem ich meine Würde an der Tür abgab

Die Würde des Menschen ist unantastbar, auch unter beim Gebären. Die Geburt meines ersten Sohnes vor drei Jahren bewegt mich heute noch. Da bildet sich eine explosive Mischung aus verschiedenen Gefühlen: Einerseits Glück und Freude natürlich, andererseits Wut, Traurigkeit und Schmerz. Ja, und irgendwie auch Scham. Scham darüber, dass ich mich nicht gewehrt habe, dass ich passiv war und es so hingenommen habe. Ich erinnere mich, dass ich dazu nicht mehr die Kraft hatte. Nicht körperlich und auch nicht emotional, ich war völlig ausgelaugt.

Dies ist also mein Geburtsbericht und ich möchte dich warnen, dass Inhalte möglicherweise triggern. Wenn du vor deiner ersten Geburt stehst, löst dieser Bericht wahrscheinlich Angst aus. Vielleicht liest du nicht weiter, um dich nicht stressen zu lassen. Vielleicht liest du weiter und machst dich darauf gefasst, um unter Umständen bereit zu sein, aufzubegehren oder deiner Begleitperson einzubläuen, für dich einzustehen.

Ich schreibe dies einerseits aus dem Bedürfnis heraus, es mir von der Seele zu schreiben. Andererseits geht politisch etwas den Bach runter, das schützenswert ist. Immer mehr Hebammen können sich die Ausübung ihres Berufes nicht mehr leisten und ich möchte hiermit ihre enorme Wichtigkeit betonen und falls es bisher an dir vorbeigegangen ist, möchte ich dich auf den Hebammenprotest aufmerksam machen. Übrigens gibt es eine Karte, auf der gesammelt wird, wo eine Unterversorgung durch Hebammen gegeben ist. Wenn du also keine Hebamme gefunden hast, dann trage dies doch bitte hier ein.

Ja, und während ich hier schreibe, frage ich mich: Ist das wirklich sinnvoll? Stelle ich mich vielleicht doch nur an? Bin ich doch das Weichei und der Vorgang völlig normal? Normal ist er wohl, es bleibt fraglich, ob es so hinnehmbar ist.

Mein Geburtsbericht

Es ist Februar 2013 und ich lerne momentan für eine Prüfung für mein Studium, die ich trotz Schwangerschaft noch mit schreiben möchte. So langsam dämmert mir aber, dass ich mir das abschminken kann, kann ich doch nicht mal die paar Schritte von Bett zum Klo schmerzfrei gehen und langes Sitzen ist genauso qualvoll. Ich möchte fest halten, dass „langes Sitzen“ eine Sitzdauer von über 30 Minuten bedeutet. Meine Symphyse ist äußert ungnädig.

Mein Mann und ich haben irgendwann aus Jux das Bauchbaby gebeten, doch bitte am 21.2. auf die Welt zu kommen, immerhin beginnt da das Sternzeichen Fische. Nicht, dass wir da sehr viel drauf geben, aber wir fanden Fische einfach cooler als Wassermann. Na ja, und ich hätte die Prüfung noch mitnehmen können, zumindest theoretisch. Das Bauchbaby hielt sich auch ziemlich gut daran, denn um 4 Uhr des 21.2. wurde ich wach. Ich hatte von Wehen geträumt und der Schmerz weckte mich. Kurz darauf merkte ich, dass ich die Wehen nicht nur geträumt hatte und jubelte innerlich schon über die Pünktlichkeit meines Nachwuchses.

Um 6 Uhr wecke ich endlich meinen Mann und gemeinsam machen wir Brötchen fertig, die wir mit zum Krankenhaus nehmen. Für den Fall der Fälle, dass ich vom Fleisch falle. Gegen 9 Uhr fahren wir dann los und als wir im Krankenhaus ankommen – es sind immerhin 30 Minuten Fahrt durch Schnee und Glätte – ist der Muttermund schon 3cm offen.

Von wegen unantastbare Würde…

Die Wehen verschwinden im Krankenhaus wieder. Die Hebamme erzählt, dass es an der Aufregung liegt, normal sei und sie wieder kommen, wenn wir zur Ruhe kommen. Eine (Assistenz?)Ärztin nimmt mich mit und versucht fünf Mal vergeblich, mir eine Nadel zu legen. Beim sechsten Mal klappt es dann endlich. Ab jetzt schickt sie uns spazieren und jede Stunde sollen wir zum CTG kommen.

Gegen 12 Uhr fragt sie dann, ob ich einen Wehencocktail möchte, was ich verneine. Durch ihre Art und auch die Frage fühle ich mich unter Druck gesetzt. Sie wirkt ungeduldig und offensichtlich geht es ihr nicht schnell genug.

Wir gehen wieder raus und je weiter wir gehen, desto stärker werden die Wehen. Gehen wir zurück, lassen sie uns wieder im Stich. Ich fühle mich verarscht und ziehe in Erwägung den Berg zur Festung hoch zu watscheln, fühle mich aber zu kraftlos. Andererseits bin ich ziemlich erstaunt, wie wenig meine Symphyse rumzickt, die sonst jeden Schritt schmerzen ließ, als habe mir jemand eine Axt in den Unterleib gehauen.

Zwischendurch sitze ich immer wieder am CTG oder die Hebamme knetet irgendwo zuversichtlich an mir herum. Sie ist nett und ich finde es schade, dass sie dann Feierabend hat, denn in ihrer Anwesenheit fühle ich mich wohl und geborgen. Dieses Gefühl ändert sich jedes Mal schlagartig, wenn die Ärztin dazu kommt. Mein Mann und ich witzeln immer noch fröhlich herum, aber so langsam habe ich keine Lust mehr. Vielleicht veräppelt uns das Baby doch bloß?

Ich äußere also, dass ich heim will – es geht ja eh nicht vorwärts. Seit wir ankamen, hat sich am Muttermund nichts mehr getan. Da haut die Ärztin raus:

Im Sitzen bekommt man halt keine Kinder!

Jo, ich saß nur rum bisher… Von 9-19 Uhr bin ich rumgelaufen und seit 4 Uhr bin ich wach. Alles klar, vielen Dank auch. Tja und das Baby veräppelt uns tatsächlich, denn beim nochmal aufgeschwatzten CTG sind plötzlich nicht mehr nur kleine Hügel zu sehen. Nein, jetzt wachsen da Bergwellen. Meine Begeisterung hält sich eher in Grenzen, aber es nützt ja nichts.

Wir bekommen ein Zimmer und mein Mann fährt Nervennahrung besorgen. Als er die Fensterscheibe für den Parkschein runter ließ, um auf dem Krankenhausparkplatz parken zu können, weigert es sich, wieder hoch zu gehen. Er ruft also meinen Schwager an, denn das Auto kann schlecht offen draußen stehen bleiben. Mit starken Wehen und hemmungslos fluchend watschel ich ums Auto herum, bis es notdürftig repariert ist. Alleine im Zimmer hocken will ich nämlich auch nicht. Falls ich es noch nicht erwähnte: Es ist arschkalt!

Wir werden das Kind schon schaukeln

Die Wehen werden nun immer stärker und die Abstände kürzer. Wir werden irgendwann in den Kreißsaal gebracht und die anwesende Hebamme ist sehr freundlich und rücksichtsvoll. Mein Mann witzelt immer noch, ich ächze zustimmend oder lache ächzend. Zwischendurch wird nochmal geguckt, wie weit der Muttermund ist. Super, bald geschafft. Ich soll mich mal auf den Geburtsstuhl/Liege legen und gucken, wie es bequem ist. Ehrlich gesagt ist alles unbequem, aber irgendwie kriegen wir das schon hin.

Weil der Vierfüßlerstand dank meiner Kniescheiben nur weh tut, ich aber beim Umdrehen von den Wehen unterbrochen werde, liege ich nun auf der Seite. Ich fühle mich wie ein gestrandeter Seelöwe. Vermutlich wäre dieser gerade noch beweglicher als ich…

Ich bekomme das Okay zum Pressen. Mein Mann steht neben mir, hält meine Hände und gibt kluge Ratschläge und noch kann ich ab und zu kurz lachen. Irgendwann schiebt er meine beiden Hände in seine linke Hand und greift mit der rechten Hand zur Kaffeetasse (später kommentierte er dies mit „Ich hatte halt Langeweile, also trank ich wenigstens Kaffee…“), derweil presse ich wie ein Weltmeister. Hoffentlich haben sie alle Recht, wenn sie sagen, wenn man das Baby erst mal in den Armen hält, ist der Schmerz vergessen, schießt es mir durch den Kopf.

Dieser Schmerz ist nämlich unglaublich und dann noch darüber hinaus pressen sollen, puh. Unschön. Irgendwann vorher hatte ich dann doch gebeten, Schmerzmittel über den Tropf zu bekommen, zweifel deren Wirkung aktuell aber stark an. Dann höre ich ein metallenes Klappern. Als ich aufsehe, sehe ich so ein nettes, glitzerndes Schneidwerkzeug und auf mein Panisches „Was machen Sie da?“ folgt ein „Nichts!“ seitens der Ärztin, während die Hebamme neben ihr steht und mitleidig schaut. Dann kommt die nächste Wehe, ich lasse meinen Kopf dabei sinken und stöhne vor mich hin. Die Wehe ist vorbei, da folgt ein widerliches Schneidgeräusch und der allerfieseste Schmerz. Noch viel gemeiner als der der Wehen und ich schreie das gesamte Krankenhaus in einem so hohen Ton zusammen, dass es mich heute noch wundert, dass keine Fensterscheiben dabei zu Bruch gingen.

Mir ist schwindelig und tausend Gedanken funken kurz auf, verschwinden aber sofort wieder. Kurz fühle ich Wut und Verzweiflung und das Atmen fällt mir schwer…(*)

Wie dem auch sei, noch ein Mal pressen und der Kopf ist da, ein weiteres Mal und mein Baby ist geboren. Zitternd und völlig außer Atem hebe ich dieses kleine, glitschige Wesen an meine Brust. Irgendwer legt Handtücher über uns und hilft mir beim Anlegen an die Brust.

Es ist kurz nach 1 Uhr, also von wegen Pünktlichkeit…

Um mich herum entsteht Gewusel, das ich kaum mitbekomme. Die Oberärztin kommt rein und besieht sich meine Verletzungen. Mein Baby wird mir abgenommen, um gewogen, gemessen und gebadet zu werden und danach meinem Mann in die Hände gedrückt.

Während dessen quetschen sich Ärztin und Oberärztin zwischen meine Beine und flicken mich zusammen. Dass ausgerechnet die Ärztin, die sechs Anläufe braucht, um mir eine Nadel in die Ader zu stechen, nun meinen Damm näht, finde ich absolut uncool.  Ich frage, ob man da nicht mal eine Betäubgung geben könne, aber in die tieferen Verletzungen reicht es angeblich nicht hinein. Cool. Es fühlt sich an, als würde dort mit diesen Gardinen-Bleibändern genäht. Die Oberärztin setzt zur Erklärung an, was nur noch gemacht werden muss, aber ich unterbreche mit der Erklärung, dass ich das schon gar nicht mehr wissen will.

Keine Würde, aber HaltJa, als ich mein Baby in den Armen hielt, war der Schmerz vorbei. Jetzt war dieser Schmerz erbarmungslos zurück und eine dreiviertel Stunde lang wird an mir herum genäht. Ich will schlafen und ich will mein Baby zurück. Jetzt ist auch mir das Lachen vergangen.

Irgendwann lässt man endlich von mir ab, gibt mir eine Schmerztablette und bringt uns in ein Zimmer, wo wir endlich schlafen können. Nach drei Stunden weckt man uns allerdings schon wieder, damit wir frühstücken können. Ich hätte Schlaf ja viel schöner gefunden, immerhin war ich vor den drei Stunden im Traumland 23 Stunden auf den Beinen. Von nun an kommt aber alle Nase lang irgendwer rein. Putzen, Verletzung angucken, Essen bringen oder irgendwas ungefragt erklären.

Mir wird erzählt, ich sei schwer verletzt mit inneren und äußeren Rissen sowie dem Schnitt. Ich darf nicht sitzen, soll aber viel rumlaufen, doch dabei macht mein Kreislauf nicht mit. Die Schmerzen sind trotz Schmerzmittel stark und unterschwellig brodelt Panik, was da alles so kaputt ist.

Mein Baby weint viel und das Stillen klappt nicht. Beim Anlegen wird mir zwar geholfen, aber in einer solch ungeduldigen und groben Art und Weise, dass mir schon das Nachfragen richtig unangenehm wird. Bei einem Stillversuch nachts um 3 kommt eine Krankenschwester und nimmt meinen schreienden Sohn einfach mit.

Wenn er gerade eh wach ist, können wir auch eben das Blut aus der Ferse entnehmen.

Ich ärgere mich heute noch, dass ich so schlapp war, dass ich nicht gleich hinterher bin. Allerdings hatte ich in den letzten 48 Stunden nur knapp 6 Stunden schlafen können und die nichtmal am Stück und dazu die Geburt selbst. Mein Baby tat mir unheimlich leid und den Umgang mit ihm fand ich unmöglich.

Die Stationsleitung nervt dann rum, weil mein Sohn nicht zunimmt, er ist zwei Tage alt. Ich soll vor und nach dem Stillen wiegen, um zu sehen, ob da überhaupt was kommt.

Wir sind dann mal weg!

Wir beschließen, auf eigene Verantwortung heim zu gehen. Man lässt uns nicht schlafen und setzt uns immer mehr unter Druck. Die Nachsorgehebamme kommt vorbei und zeigt ein Mal das Anlegen und ab da klappt das Stillen problemos. Mein Sohn trinkt und trinkt und schläft zufrieden. Auch die Geburtsverletzungen schaut sie sich an und erklärt, es sei nur halb so wild wie es uns im Krankenhaus weis gemacht wurde. Die haben sie übrigens angerufen und auch ihr geschildert wie schlimm alles sei und sie sich nochmal melden und nachfragen, ob das Baby zunimmt.

Das Stillen klappt jetzt einwandfrei und wir können endlich mal zur Ruhe kommen – und schlafen! Verdammt waren wir müde, nachdem man uns ständig geweckt und wach gehalten hatte! Ich bin nach acht Stunden erschrocken wach geworden, weil sich das Baby nicht gemeldet hat. Richtig gelesen, weil es seit dem letzten Stillen keinen Ton mehr von sich gegeben hatte. Ich prüfe leicht panisch, ob er noch atmet und döse nochmal ein, bis mein Sohn aufwacht und gestillt werden möchte.

Auf Rat meiner Hebamme lässt mein Mann sich für eine Woche als Haushaltshilfe freistellen. Mein Kreislauf ist ziemlich im Eimer, denn die Eisenwerte sind im Keller. Mit Kräuterblut wird es schnell besser. Zwei Wochen kann ich nicht sitzen und nur etwa eine halbe Stunde gehen, ehe ich mich hinlegen muss. Wenn ich da meine Schwägerinnen sehe, die zwei Tage nach der Geburt schon im Schneidersitz auf dem Boden sitzen, komme ich mir echt zimperlich und unfähig vor.

Bei der Nachsorge bei meiner Frauenärztin klärt sie mich auf, dass ich damit rechnen muss, bis zu sechs Monate nach der Geburt noch Probleme an der Dammnaht zu haben. Acht Monate später lache ich bitter darüber, wie optimistisch die Äußerung wohl war. Elf Monate später ist Geschlechtsverkehr endlich wieder möglich, aber immer noch mit Schmerzen verbunden.

Die Narben verblassen

Mit der Zeit darf ich mich darüber freuen, dass die Dehnungsstreifen verblassen und die Haut wieder straffer wird. Die Schmerzen an den Narben der Geburtsverletzungen werden weniger, aber irgendwo ziept es noch.

Nämlich im Herzen und im Bauch. Ich möchte nicht an die Geburt denken, weil sich dann alles in mir zusammen zieht. Während der Schwangerschaft war ich so optimistisch (oder naiv?), zu glauben, es ist etwas völlig Natürliches. Wie groß ist da die Wahrscheinlichkeit, dass eingegriffen werden muss? Ich wurde wohl eines Besseren belehrt.

(*) Mir wurde erst viel später klar, dass schon das metallene Geräusch etwas in mir getriggert hat, das Panik ausgelöst hat. Für mich war die Lüge, „nichts“ zu tun, ganz schlimm aushaltbar und der Tropfen, der das Fass dann zum Überlaufen brachte. Wenn ich heute nachspüre, wird mir immer noch schlecht und da ist dieses Gefühl von Ohnmacht, ohne dass ich in der Lage bin, es zu verbalisieren. Diese unsensible Haltung mir gegenüber hat eine alte Wunde aufgerissen und wirkte retraumatisierend. Freilich, es hätte alles noch viel schlimmer kommen können. Aber: Personen haben immer eine Vorgeschichte und gerade die Geburt ist eine sensible Phase, in der ein Verhalten wie der Elefant im Porzellanladen fiesen Schaden anrichten kann.

Nie wieder!

Für mich steht fest, das mache ich nicht nochmal mit. file106003Mein Vertrauen in die Ärzte ist weg. In Deutschland ist es Pflicht, dass eine Hebamme anwesend ist, Ärzte müssen aber nur bei Komplikationen hinzugezogen werden. Ich bedauere sehr, dass sich diese Ärztin von Anfang an in den Vordergrund geschoben hat bzw. die Hebamme sich nicht mehr durchgesetzt hat und ich bin überzeugt, dass der Tag und somit die Geburt andernfalls entspannter verlaufen wäre.

„Nie wieder!“ Rede ich mir immer wieder ein. Nie wieder so ein Schmerz, nie wieder so fremdbestimmt und nie wieder möchte ich zulassen, so verletzt zu werden. Also rede ich auch meinen Kinderwunsch weg, kämpfe gegen ihn an. Ich verdränge ihn, bis der Schmerz nach 19 Monaten deutlich zurück (nicht weg) geht. Mein Mann und ich lassen den Wunsch zu und beschliessen, dass das nächste Baby daheim zur Welt kommen darf. Selbstbestimmt und meine Würde wahrend.

Wenn du magst, schreibe mir gerne deine Erfahrungen in die Kommentare. Bist du vielleicht sogar total für Geburten im Krankenhaus und findest es sicherer dort?

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über Amy

Amy ist Mutter von zwei Jungs (*2013 & *2015) und schreibt auf dem Blog meinRabennest seit 2016 über pagane Elternschaft und eine freiere, gesellschaftskritische Sicht auf die Erziehung. Im November 2016 wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit und arbeitet von Zuhause aus in der Magieweberei, wo zauberhaften Filzpuppen, Edelsteinschmuck für das seelische Wohl und anderes Hexenwerk ein neues Zuhause suchen.

10 Kommentare zu “Vom Tag, an dem ich meine Würde an der Tür abgab

  1. Dein Geburtsbericht geht mir unheimlich nahe. Ziemlich ähnlich war es auch bei mir.

    Meinem 2. Sohn habe ich zu Hause das Leben geschenkt. Diese kraftvolle, mental und körperlich anstrengende Geburt hat so viel geheilt. Ich hatte eine tolle Hebamme an meiner Seite und konnte sehr selbstbestimmt und in unserem Tempo gebären. Eine wirklich schöne Geburt.

    Alles Gute für dich.

    • Schön zu hören, dass es beim Zweiten besser lief. Mein zweiter kam auch daheim. War die beste Entscheidung.

  2. Dankeschön, das du uns an deiner Geschichte teilhaben lässt. Während des Lesens hätte ich der Ärztin am liebsten ins Gesicht geschrieen.

    Ich habe meinen Sohn mit einer sehr liebevollen Ärztin und einer, nein dank Schichtwechsel zwei lieblosen, gelangweilten, unfreundlichen Hebammen, auf die Welt gebracht.
    Die Versorgung auf der Station war allerdings ähnlich schlecht wie bei dir. Ständig kommt jemand rein, aber für Fragen hat man eigentlich keine Zeit. nachts um 2 aus dem Tiefschlaf zum Wiegen geweckt zu werden ist absolut brutal. Am Entlasstag sagte man uns das, das Kind 150g abgenommen hätte und wir gefälligst mit ihm zu den U’s gehen sollen, sonst steht ratz fatz das Jugendamt auf der Matte. Bäääm. Das hat gesessen.

    Das zweite Kind wird definitiv nicht in einem Krankenhaus zu Welt kommen.

    • Nächtliches Wiegen muss unglaublich wichtig sein, wenn es so oft gemacht wird… Ach, überhaupt klingt auch dein Bericht total schade und ich kenne so viele, die sagen, „nie wieder im KH“ und dann gibt es diese Möglichkeit bald eventuell gar nicht mehr?! Da läuft doch etwas gewaltig schief. 🙁

  3. Das tut mir wirklich sehr leid, wie es dir ergangen ist. Du fragst am Ende nach anderen Erfahrungen, deshalb: Ich hatte eine gute Geburt im KH, es war Beckenendlage und ich war einfach sehr dankbar, dass man es mir überhaupt ermöglicht hat, natürlich zu gebären, alles andere war dann zweitrangig. Ich hab mich bei Ärzten und Hebammen gut aufgehoben und sicher gefühlt. Allerdings verliefen meine Tage im KH leider ähnlich strapaziös, was bei mir aber eher am unvermeidbaren Krankenhausklima lag. Fazit: ich werde wieder in eine Klinik gehen, u. a. auch weil ich immer wieder von Freunden höre, die echte Komplikationen hatten, aber mit meinem Mann als Fürsprecher, gerade wegen Geburtsberichten wie dem deinen. Aber danach am besten ab nach Hause!

    • Das freut mich, dass dir das ermöglicht wurde und du dich gut aufgehoben gefühlt hast. 🙂 In dem KH, wo ich war, waren auch Bekannte und die fanden das dort auch alle gut. Es steht und fällt leider mit den Anwesenden. 🙂

  4. Liebe Amy, Du bist ganz bestimmt kein Weichei! Was ist eigentlich mit unserer Gesellschaft los, dass man in einer Stresssituation wie der Geburt mit allem einverstanden sein muss, alle Verhaltensweisen zu akzeptieren hat und dann soll man gefälligst noch froh sein drüber?

    Danke für diesen, für DEINEN Geburtsbericht. Du darfst hadern, du darfst traurig und sauer sein über die Art, wie mit dir umgegangen wurde. Denn Patientinnnen anlügen geht ja gar nicht. Absolutes No-Go.

    Ich selber hatte leider bei meiner zweiten Geburt erst eine sehr unerfahrene (aber sehr liebe!) Hebamme und nach Schichtwechsel eine unmotivierte und hektische Hebamme, die mich wahnsinnig verunsichert hat und nie länger als 5 Minuten bei mir im Raum war. Meinen Arzt habe ich zwei Tage nach Blasensprung und nach 20 Stunden Wehen im Krankenhaus das erste Mal gesehen. Also, keine Betreuung, obwohl ich die Einzige im Kreisssaal war. Im Nachhinein wäre ich alleine zu Hause wohl besser dran gewesen.

  5. Liebe Amy, es tut mir soo leid für Dich, dass Du so eine furchtbare Erfahrung gemacht hast. Ich habe selbst Hebamme gelernt, war nach dem Examen aber sehr froh, erstmal selbst Kinder zu kriegen und nach den gruseligen Krankenhauserfahrungen da nicht mehr hinzumüssen.
    Jetzt sind einige Jahre vergangen und ich weiss nicht, ob ich überhaupt nochmal einsteige. Wollte immer in die Freiberuflichkeit, auch vielleicht in die Geburtshilfe, mit selbstbestimmten Familien.
    Ich fand die Krankenhausgeburten meist so unnatürlich, medikamentalisiert. Fühlte mich oft wie eine Intensivschwester, mit den total verkabelten (CTG), an Infusionen (Wehentropf, etc) hängenden, immobilen Frauen. Ach, will nicht mehr dran denken.
    Was ich eigentlich sagen wollte: ein Dammschnitt ist eine Körperverletzung. Nochmal mehr, wenn er ohne medizinische Indikation gemacht wurde (sprich: kdl. Herztöne im Keller, muss ganz schnell geboren werden). Könnte man sogar anzeigen. Wirst Du sicher nicht wollen und würde auch nur alte Trauer hochholen. Aber Du hast allen Grund wütend zu sein! Das wir-schneiden-mal, um 3 Presswehen zu sparen, weil es zu langsam geht, ist unerträglich und geht GAR NICHT! Ich freue mich, dass Du danach noch eine gute Erfahrung machen konntest! Alles Liebe, Jana

  6. Konnte jetzt gerade nicht alles in Ruhe lesen… aber ich hatte auch so eine Sch… Geburt! 🙁 Hab auch ein Trauma davon. Leider. Ich wollte ins Geburtshaus (war ich auch), aber von da ging es dann zum Not-Kaiserschnitt, total fremdbestimmt und erniedrigend… aufgrund einer unsicheren Hebamme. Es ist so schlimm für mich, denn es lag gar nicht an mir (aus meiner Sicht)…. ach je. Wir scheinen echt viele Parallelen zu haben, Amy!

  7. danke für deinen bericht. ich hatte schon beim 1. kind vor 15 jahren panik vorm krankenhaus. hab alle 4 zu hause bekommen und das war die beste entscheidung.

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