Familienausflug auf das Crana Historica 2016

Nachdem unser Sohn im Winter maßlos enttäuscht war, als sich vermeintliche Mittelaltermärkte als langweilige Weihnachtsmärkte entpuppten, war es endlich so weit: Pfingsten war da und damit auch das lang ersehnte Crana Historica!

Crana Historica – Festival der Geschichte

Das Festival der Geschichte wird vom Historischen Verein Kronach e.V. veranstaltet und findet alle zwei Jahre auf der Festung Rosenberg in Kronach (Oberfranken) statt. Hier sammeln sich dann Menschen in ziemlich interessanten Klamotten (Mittelalter – Renaissance), leckeres Essen, klangvolle Musik und Schausteller, die verschiedene Aufführungen darbieten. Schaukampf, Kanonenschüsse und böse Wichte am Pranger inklusive.

Leider kann ich euch kaum Bilder zeigen, weil es einerseits so wenige wurden und andererseits möchte ich nicht ungefragt Gesichtsbilder Fremder oder meiner Kinder zeigen.

Samstag, 14.05.2016

Am Samstag schafften wir es beinahe planmäßig, gegen 14 Uhr los zu fahren und fanden glücklicherweise auch schnell einen Parkplatz. Dort wollte ich Sohn2 auf dem Rücken in das Tragetuch binden und bin fast verzweifelt.

Crana-Historica-2016

Darum, das Kind im Tuch auf dem Rücken zu tragen, beneide ich fähige Tragepersonen. Ich bin da leider wirklich unfähig und mein Sohn freut sich jedes Mal so sehr, dass er das Hampeln und Hopsen anfängt, was die ganze Sache noch schwieriger gestaltet. Ich bin also – wie erwartet – gescheitert und das Buzzidil kam zum Einsatz – das bekomme ich nämlich auf den Rücken – und wurde mit dem Tuch nach Möglichkeit verdeckt. (Gewandung mit Buzzidil sieht nämlich kacke aus.)

Oma, Opa und Sohn1 waren vorgegangen und warteten schon oben an der Kasse auf uns, nachdem Mann und ich uns die Wolfsschlucht hoch geschleppt hatten. Nachdem der Eintritt gezahlt war, ging es daran, Bekannte und weitere Verwandtschaft einzusammeln.
Sohn1 war schon am Burgtor begeistert, als Gewandete unsere Armbänder kontrollierten und ließ sich die Wächter erst einmal namentlich vorstellen, bevor wir weiter konnten. Das ist momentan ganz wichtig: Wer ist das? Wie heißt der? Wo wohnt der?

Unser erster Eindruck war: Oh, ziemlich leer hier! Vor zwei Jahren war es gerammelt voll und wir haben uns mit vielen, vielen anderen Besuchern auf jeden noch so kleinen Schatten quetschen müssen, um nicht zu zerfliessen. Dieses Jahr hatte es etwa 11°C, behauptete das Tablet daheim. Na ja, immerhin regnete es nicht. Wir haben uns erst mal umgesehen und nachdem wir das Programmheftchen befragt hatten, beschlossen wir, uns Schattenschweif anzuhören. Leider war es Sohn2 dort zu voll und vermutlich auch zu laut, weswegen ich mit ihm ein Stück ging und beschloss, ihn doch lieber vorne ins Tuch zu binden.  Mann und Sohn1 blieben bei der Musik und sammelten uns etwas später beim Kistler und seinem Weib wieder ein. Wir haben kurz bei der Holzwurmvorführung zugeschaut, mussten dann wegen lautem Magenknurren aber erst mal weiter. Sohn1 verlangte es nach Bratwurst und ich hatte mich schon eine Weile auf das Knoblauchbrot mit Quark gefreut. Wir rasteten auf einer winzigen Grasfläche umgeben von Marktständen, die wirklich leckere Gerüche verströmten. Was ich auch cool fand: Laut Schild am Stand gab es auch vegane Speisen.

Wir schlenderten noch eine Weile auf dem Burggelände umher und sahen uns das Lagerleben an, blieben hier und da für einen Plausch stehen und fanden in einem etwas abseits gelegenen Eck ein Lager mit einigen Planwagen und zwei Pferden. Du darfst raten, wo wir gefühlt die meiste Zeit verbrachten.

Sohn1 wurde langsam, aber ziemlich sicher müde und wir beschlossen nach dem Pikenierdrill heim zu gehen, obwohl er sehr gerne noch geblieben wäre. Papa durfte (oder viel mehr sollte) ihne dann die Wolfsschlucht wieder herunter tragen und ich war sehr dankbar, dass die Stadt Kronach Geländer an diesem schönen, aber sehr steilen Weg angebracht hatte – mit Baby vor der Brust sieht man ja doch noch ein bisschen weniger. Spontan kauften wir unterwegs noch eine kleine Portion Popcorn im Kino und fuhren doch sehr erschöpft nach Hause. Mein Mann war abends nochmal dort, um die typische Marktstimmung noch ein wenig zu genießen, während ich das jetzt ausgeruhte Baby noch etwas unterhielt und dann noch eine Weile las.

Im Übrigen gab es auch einen Stand mit dem Schild „Museumspädagogik“, leider war es immer, wenn wir daran vorbei kamen, relativ voll oder wir war zielstrebig auf dem Weg wohin. Seifenblasen konnten Kinder dort jedenfalls machen, den Rest konnte ich nicht erkennen, sah aber interessant aus.

Sonntag, 15.05.2016

Am Sonntag hielt sich unsere Begeisterung in Grenzen, nachdem wir die Jalousien hoch gezogen hatten. Dicke Wolken, Regen und Temperaturen, die besser in den Oktober gepasst hätten. Da wir verabredet hatten, machten wir uns trotzdem fertig und ich bin wirklich erstaunt, wie lange es dauern kann, sich anzuziehen. Gefühlt gingen wir unter im Chaos. Etwas später als geplant fuhren wir samt Begleitung los.

Familienausflug-zum-Crana-historica

Neben mir jauchzte es vor Freude bei jedem Zugwaggon, den wir unterwegs sahen, und als die Flagge der Festung Rosenberg in Sicht kam, war ich dankbar für die Sicherheitsgurte. Andernfalls wäre Sohn1 vermutlich aufgesprungen, aus dem Auto gesprungen und wäre den Rest des Weges gerannt…

Wieder ging es die Wolfsschlucht hoch und auf halbem Weg stöhnte mein Mann auf: „Schau dir das an! Wenn wir oben sind, fängt es garantiert das Dragen an!“ Dicke, schwarze Wolken so weit das Auge sah zogen unaufhaltsam auf die Festung zu. Schön. Nicht.

Wir kamen oben an und warteten, dass sich unsere Begleitung an der trotz des Wetters langen Schlangen ihre Armbänder besorgten. Nach nicht mal zwei Schritten innerhalb der Burgmauern bekamen wir die ersten Tropfen ab. („Hab ich es nicht gesagt?!“)

Sehr schnell wurden dei Tropfen mehr, viel mehr und wir eilten weiter, um uns unter zu stellen. Sohn1 hat sich über die Pfützen gefreut, über die nasse Leinenkaputze weniger. Sturerweise wollten wir nämlich alle trotzdem in Gewandung gehen, das rächte sich in dem Moment ein bisschen. Wir standen also eine Weile in einem Bekleidungsstand mit unter, während viele Besucher sich in Richtung Ausgang aufmachten. Teilweise hatten wir die Leute erst an den Kassen gesehen, sehr schade. Wir waren geduldiger und als wir uns sagten, wir könnten doch nicht den ganzen Tag nur rumstehen und trotz Regen ein Stück weiter huschen wollten, hörte der Regen langsam auf. Sogar die Sonne zeigte sich gnädig und es wurde fast warm.

Ein Stück weiter durfte sich Sohn1 endlich sein Schild aussuchen und war traurig, dass er nicht wie viele andere Kinder ein Holzschwert bekam. Ich finde das immer etwas gruselig, wie sich Horden von Kindern auf den relativ kleinen Flächen mit Holzschwertern kloppen. Wir haben LARP-Schwerter, die auch der Sohn nutzen darf und wenn er mich damit ungünstig erwischt, dann tut das schon schweinemäßig weh, obwohl es gepolstert ist. Daher finde ich den Verkauf von Holzschwertern eher bedenklich.

Wir schauten uns ziemlich durchnässt weiter um, aßen und unterhielten uns mal hier und mal dort. lagerleben-crana-historicaMeine Füße waren mittlerweile klitschnass, die Hände vom Sohn1 eiskalt („Nein, mir ist warm!“) und das Baby konnte auch nicht schlafen, war aber hundemüde. Wir endeten nochmal eine Weile bei den Pferden und auch an dieser Stelle muss ich mich kurz wundern, dass viele Eltern ihre Kinder ihre Kinder ohne Aufsicht an fremde Tiere lassen. Irgendwann hörte man dann ein weinendes „Es hat mich gebissen!“ Was genau los war, weiß ich nicht. Auf mich machten die Pferde auch einen sehr entspannten und friedlichen Eindruck, fraßen den Leuten aus den Händen und es beschwerte sich wohl auch niemand. Das besagte gebissene Kind jedenfalls lief fort, Eltern oder sonstige Aufsichtsperson waren nicht zu sehen.

Auf dem Weg zum Ausgang kamen wir noch an einer Vorstellung vorbei. Scheinbar wurde Gericht gehalten. Sehr gerne hätten wir uns das noch mit angesehen, aber dann wären wir vermutlich erfroren. Das Publikum wirkte jedenfalls angetan.

Zuhause wurde gemeinsam mit unserer Begleitung gegessen, nachdem der Schild ausgiebig auf Tauglichkeit getestet wurde. Während wir die Kinder ins Bett brachten, wartete der Besuch geduldig in der Küche, um später mit meinem Mann Pen and Paper zu spielen. Ich vergaß derweil, dass ich eigentlich schon die ersten Videos zum Online-Kongress Beziehung statt Erziehung hatte schauen wollen, und las stattdessen.

Montag, 16.05.2016

Montag überlegten wir, ob wir wirklich nochmal hoch gehen und weil Verwandtschaft dort war, bejahten wir dann einstimmig. Sohn1 wollte dieses Mal selbst in den Buzzidil, weil ihn nach den letzten beiden Tagen wohl doch der Muskelkater erwischt hat.

Wir trafen die Verwandtschaft und Papa und Sohn1 gesellten sich zur Märchenzeit bei Familie Vogelfrei. Danach wollten wir der Kanonenschau beiwohnen. Allerdings musste man dafür durch einen Tunnel und mir wird da momentan schon beim Gedanken daran ganz anders. Daher blieb ich mit Sohn2 zurück, der trotz Müdigkeit einfach nicht schlafen wollte. Ständig wurde in der Trage gehopst vor Freude oder sich verränkt, um ja noch mehr sehen zu können. Die Familie kehrte dann eher enttäuscht zurück, weil man wohl fast bis gar nichts hatte sehen können.

Der Papa wollte gerne noch ein T-Shirt der Veranstaltung kaufen, das hatten bis jetzt verschlafen. Das war insofern ärgerlich, dass es vom diesjährigen Crana Historica keine mehr gab. Schade, aber mein Mann begnügte sich auch mit einem Shirt eines der vergangenen Events.
Sohn2 schlief beinahe zu den Tönen von Trommel und Dudelsack ein, aber just in dem Moment waren sie leider fertig. Also nichts mit Schlaf, weiter beobachten. Sohn1 tobte danach noch etwas im Burghof herum und bestaunte bemalte Kinder (selber wollte er nicht geschminkt werden) und ein Plastikskelett am Pranger. Er sagte schließlich selbst, dass er müde sei und den Rückweg wieder in die Trage möchte.

Kommen wir wieder?

Das nächste Crana Historica werden wir ganz sicher wieder besuchen. Wir fühlen uns jedes Mal wohl auf der Festung Rosenberg und die Stimmung war bisher immer toll und ich hoffe ja schon, das leckere Knoblauchbrot auch noch auf anderen Märkten der diesjährigen Saison genießen zu können. Was ich schade fand, war, dass es so weit wir mitbekamen kein kindgerechtes Puppentheater gan, sondern thematisch an Erwachsene gerichtet war. Letztes Mal gab es Strohballen zum Sitzen und Kindergeschichten mit Puppen. Damals hatte unserer leider noch kein Interesse daran.

Beim nächsten Mal sind die Kinder dann auch noch ein Stück älter und halten Schaukämpfe u.ä. vielleicht ganz durch. So bekamen wir von vielen nur  Teile mit, aber das hatten wir nicht anders erwartet und so fanden wir den Besuch auch mit Kindern schön. Für das nasse Wetter können die Veranstalter ja nichts, daher drücken wir – nicht ganz uneigennützig – die Daumen, dass das Wetter das nächste Mal besser mitspielt.

über Amy

Amy ist Mutter von zwei Jungs (*2013 & *2015) und schreibt auf dem Blog meinRabennest seit 2016 über pagane Elternschaft und eine freiere, gesellschaftskritische Sicht auf die Erziehung. Im November 2016 wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit und arbeitet von Zuhause aus in der Magieweberei, wo zauberhaften Filzpuppen, Edelsteinschmuck für das seelische Wohl und anderes Hexenwerk ein neues Zuhause suchen.

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